Buchen Sie jetzt über Seven.One Audio eine Host Read Ad, gesprochen von Linn und Leo

https://www.seven.one/portfolio/sevenone-audio ">Mehr Informationen finden Sie hier!

#55 Die echte Pippi Langstrumpf

Shownotes

Pippi Langstrumpf ist ganz klar unsere Kindheitsheldin. Das starke, mutige, freche Mädchen, eine Romanfigur von Astrid Lindgren. Ihre roten Haare, die Sommersprossen, die Villa Kunterbunt, ihre Abenteuer: alles frei erfunden – oder? Nicht ganz. Heute erzählen wir euch die Geschichte der echten Pippi Langstrumpf.

Ester Blenda Nordström ist wohl die mutigste Reporterin, von der wir je gehört haben. Anfang des 20. Jahrhunderts rast sie nicht nur mit ihrem Motorrad durch Stockholm, sondern auch den spannendsten Geschichten des Landes hinterher. Sie tut etwas, das vor ihr noch kein schwedischer Journalist – und erst recht keine schwedische Journalistin – gewagt hat: Sie geht für ihre Reportagen undercover.

Klingt ein bisschen nach Pippi Langstrumpf? Das ist ganz bestimmt kein Zufall. Ob sich Astrid Lindgren tatsächlich von der mutigen Reporterin Ester Blenda Nordström inspirieren ließ, beleuchten wir in dieser Folge von True Love.

Eine Produktion von Auf Ex Productions. Hosts: Leonie Bartsch & Linn Schütze Recherche: Tanja Kachler, Antonia Faltermaier Redaktion: Antonia Fischer Produktion: Lorenz Schütze, Julian Ortleb

Quellen (Auswahl)

Buch "Life in Every Breath: Ester Blenda: Reporter, Adventurer, Pioneer" von Fatima Bremmer und Gloria Nneoma Onwuneme Buch "Pippi Langstrumpf. Alle Abenteuer in einem Band" von Astrid Lindgren Artikel Emma Dokumentation

Hintergrundinformationen, Bilder und Videos findet ihr auf unserem Instagram- oder TikTok-Kanal @true.lovepodcast. Oder auf unseren privaten Profilen @leonie_bartsch und @linnschuetze.

Wir würden uns riesig freuen, wenn ihr den Podcast bewertet und teilt. Haben euch lieb & bis in zwei Wochen!

Du möchtest mehr über unsere Werbepartner erfahren? Hier findest du alle Infos & Rabatte!: https://linktr.ee/truelove_podcast

Du möchtest Werbung in diesem Podcast schalten? Dann erfahre hier mehr über die Werbemöglichkeiten bei Seven.One Audio: https://www.seven.one/portfolio/sevenone-audioDu möchtest mehr über unsere Werbepartner erfahren? Hier findest du alle Infos & Rabatte!

Du möchtest Werbung in diesem Podcast schalten? Dann erfahre hier mehr über die Werbemöglichkeiten bei Seven.One Audio!

Transkript anzeigen

00:00:07: Auf

00:00:15: X Productions präsentiert.

00:00:20: True Love, ein Podcast über wahre Liebesgeschichten.

00:00:24: Mit Lynn Schütze und Leonie Bartsch.

00:00:44: Hallo Leo!

00:00:45: Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge True Love.

00:00:47: Und ich glaube, Leute, wir werden alle aus dieser Folge mit diesem Ohrwurm herausgehen.

00:00:52: Ich hatte irgendwie komplett die ganze Zeit während der Recherche.

00:00:56: Weil das bleibt einfach hängen.

00:00:58: Ja,

00:00:58: als ich gehört habe, du erzählst mir den Fall der echten Pipi Langstrumpf.

00:01:02: Und Pipi Langstrumpf ist meine Kindheit, muss ich ganz ehrlich sagen.

00:01:06: Meine Mama hat mir, glaube ich, nichts mehr vorgelesen und mein Papa als Pipi Langstrumpf.

00:01:10: Und ich bin ja auch eine ganz kleine Zeit.

00:01:12: in Schweden groß geworden.

00:01:14: Da war natürlich Astrid Lindgren und Buller Büh und natürlich auch Pipi.

00:01:19: Immer das, was mich begleitet hat.

00:01:21: Und ich habe mich so gefreut, als du gesagt hast, ich spreche über Pipi Langstrumpf.

00:01:25: Wenn du Astrid Lindgren warst, dann mache ich Pipi Langstrumpf.

00:01:28: Und ich habe immer gedacht, Pipi Langstrumpf gibt es gar nicht.

00:01:32: Ja, die ging's da genau wie mir.

00:01:34: Ich wusste auch ganz lange nicht, dass Pippi Langstrumpf anscheinend inspiriert ist von einer wahren Person.

00:01:39: Es hat mich komplett von den Socken gehauen, weil ich dachte, das kann doch nicht wahr sein.

00:01:43: Dieses Mädchen hebt Autos hoch, die ist so

00:01:46: stark.

00:01:46: Ja.

00:01:47: Die lebt allein in einem Haus, die ist auf jeden Fall fiktional.

00:01:51: Und ich muss schon mal ankündigen, natürlich ist ganz, ganz viel aus den Australien-Grün-Büchern fiktional.

00:01:58: Aber es soll eine reale Person geben, von der sich Astrid Lindgren hat inspirieren lassen.

00:02:05: Und das ist für mich so spannend, dass ich mich natürlich komplett auf dieses Leben gestürzt habe und alles über die wahre Pipi Langstrumpf erfahren wollte.

00:02:15: Denn ich finde das eh immer ganz interessant.

00:02:18: Ich habe eh schon ganz lange den Wunsch, auch irgendwann mal ein Buch zu schreiben.

00:02:21: Und ich habe mich immer schon gefragt, wenn ich das mache, ob man sich dann ... an seinem Umfeld orientiert, also an einer wahren Person oder sich auf was komplett fiktionales stürzt.

00:02:33: Also keine Sorge, Lin, wenn du drin vorkommst, bist du natürlich eine Superheldin.

00:02:37: Ich wollte grad sagen, ja, du darfst ein Buch über mich schreiben.

00:02:40: Gar kein Problem.

00:02:42: Ja, wenn ich Bücher lese, frage ich mich das sowieso.

00:02:44: Wir haben ja auch mit Sebastian Vizek schon mal zusammen Podcast aufgenommen, letzten.

00:02:49: Und da hat er auch erzählt, dass er gerade an seinem neuen Buch arbeitet und nach der Podcastaufnahme direkt weiterschreibt am nächsten Kapitel.

00:02:56: Und ja, da haben wir ihn ja auch gefragt, kommen wir drin vor, bist du unsere Begegnung weiterverwerten?

00:03:02: Er

00:03:03: hat leider eher Nein gesagt, würde ich sagen.

00:03:07: Wir sind gespannt.

00:03:08: Wir werden das nächste Buch scanen und gucken, ob zwei Podcaster drin sind.

00:03:13: Und ich bin sauer, wenn wir die Mörderin sind oder so, mal sehen.

00:03:16: Und ich hab das auch schon mal irgendwann bei einer Harry Potter Figur gehört.

00:03:20: Das ist mir auch beim Lesen nie wieder aus dem Kopf gegangen.

00:03:22: Dieser super selbstverliebte nazistische Professor Lockhart

00:03:26: soll ja

00:03:26: auch laut J.K.

00:03:27: Rowling jemand Unangenehmes aus ihrem Umfeld sein.

00:03:31: Also wirklich immer, wenn ich irgendwelche Seiten über den gelesen hab, hab ich mich gefragt, Checkt das die Person gerade, dass sie da beschrieben wird?

00:03:37: Und wer ist das in dem Umfeld gewesen?

00:03:40: Ja, und die letzte Person, wenn ich gedacht hätte, dass es zu der wirklich auch eine reale Inspiration gibt, ist Pippi Langstrumpf.

00:03:49: Ich bin so gespannt darauf, weil ich habe davon noch nie gehört.

00:03:54: Und ich kann es kaum erwarten, die echte Pippi kennenzulernen.

00:03:59: Und damit würde ich sagen, steigen wir direkt in die Geschichte ein.

00:04:12: Mit einem dumpfen Knall fällt die schwere Holztür hinter dem beiden jungen Frauenen Schloss.

00:04:18: Draußen

00:04:18: ist es

00:04:19: kalt und der Regen legt sich wie ein feiner Schleier über die schwedische Landschaft.

00:04:24: Schnell zieht Esther den Schal enger um ihren Körper.

00:04:28: Dann geht sie los.

00:04:30: Schon von Weipen kann sie den scharfen Geruch von Mist riechen.

00:04:34: Je näher sie der großen Scheune kommt, desto lauter hört sie das Schmatzen der Kühe.

00:04:40: Esther schluckt.

00:04:41: Sie hat sich so viele Gedanken über ihre Tarnung gemacht.

00:04:45: Sie hat geübt, anders zu sprechen und überlegt, wie sie sich verhalten soll.

00:04:50: Auch die Aufgaben, die sie als Markt wahrscheinlich erledigen muss, ist sie immer wieder durchgegangen.

00:04:56: Nur die zwanzig Kühe, die jetzt darauf warten, von ihr gemolken zu werden, hat sie erfolgreich verbringt.

00:05:03: Nervös schließt Esther ihre Finger fester um den Griff der mithallen Milchkanne.

00:05:09: Sie ist sich sicher, Wenn sie bei dieser Aufgabe versagt, würde ihre Tarnung schon am ersten Tag aufliegen.

00:05:17: Sie würde scheitern und ohne neue Erkenntnisse nach Stockholm zurückkehren.

00:05:22: Und noch viel schlimmer, ohne Geschichte.

00:05:26: Im Stall stellt Esther den Schemel vor eine große Kuh.

00:05:30: Ihre Hände sind ganz schwitzig.

00:05:32: Am anderen Ende des Stalls hört sie eine andere Marktzum.

00:05:36: Dann ... schließt sie ihre Finger vorsichtig um die warmen Zitzen der Kuh, bevor sie mit einer fließenden Bewegung daran zieht.

00:05:46: Als mit einem lauten Zischen ein warmer Strahl Milch in dem Eimer landet, atmet sie erleichtert auf.

00:05:53: Vielleicht kann sie ihre Mission doch erfüllen.

00:05:57: Zwei Stunden später fühlen sich Esters arme Taub an.

00:06:01: Doch für eine Pause ist keine Zeit.

00:06:04: Der Alltag auf dem Bauernhof ist hart.

00:06:07: Und die Liste der Aufgaben lang.

00:06:10: Esther und die andere Markt müssen das Haus fegen, die Hühne und Schweine füttern, endlos viele einmal Wasser vom Brunnen schöpfen, Kochen, Brotbacken, Kartoffeln ernten und so weiter und so weiter.

00:06:23: Am Abend fällt Esther todmüder ins Bett.

00:06:27: Von der ganzen Arbeit sind ihre Hände geschwollen und voller kleiner Bränder wunden.

00:06:34: Ihre Beine sind schwer und ihr Rücken echtst bei jeder Bewegung.

00:06:39: Einfach alles tut ihr weh.

00:06:41: Ungläubig startet sie in die Dunkelheit der kleinen Kammer.

00:06:45: Wie soll sie diese Arbeit einen ganzen Monat aushalten?

00:06:50: Wie soll sie das nur einen weiteren Tag schaffen?

00:06:53: Warum hat sie sich nur freiwillig auf diese Situation eingelassen?

00:06:58: Warum hat sie sich dafür entschieden, ihr privilegiertes Leben in Stockholm zurückzulassen, um im ländlichen Schweden als Markt zu arbeiten.

00:07:07: Für einen Moment spielt sie mit dem Gedanken abzubrechen.

00:07:11: Einfach ihre Sachen zu packen und in den nächsten Zug in die Hauptstadt zu steigen.

00:07:16: Doch dann erinnert sie sich an das Leuchten in den Augen ihres Chefredakteurs.

00:07:22: Und an das Kribbeln in ihrem Bauch, als sie sich auf ihr Abenteuer vorbereitet hat.

00:07:27: Nein, sie muss durchhalten.

00:07:30: um danach die Geschichte ihres Lebens zu schreiben.

00:07:35: Moment, das heißt, die echte Pipi Langstrumpf ist eine Reporterin?

00:07:40: Ja, wir schauen uns heute das Leben einer ganz besonderen Reporterin an, nämlich von Esther Blender Nordström.

00:07:47: Und du hättest es dir vielleicht irgendwie herleiten können, weil wenn man so gerade an die Zeit denkt, in der diese Esther aufgewachsen ist, es ist so das Ende des neunzehnten Jahrhunderts bzw.

00:07:58: Aktuell befinden wir uns im Jahr nineteen hundert vierzehn.

00:08:02: Dann ist ein typischer Beruf, bei dem es sehr viel Mut erfordert, wahrscheinlich der eine Reporterin.

00:08:09: Vor allem, weil Frauen das in dieser Zeit eigentlich noch gar nicht sein durften.

00:08:14: Und diese Äste, von der ich dir gerade erzählt habe, ist nicht nur irgendeine Reporterin, sondern und das ist wahrscheinlich heute auch unumstritten.

00:08:23: Sie ist die mutigste Reporterin.

00:08:25: einer großen schwedischen Tageszeitung, die es, würde ich sagen, jemals in der schwedischen Geschichte gegeben hat.

00:08:32: Denn diese junge Frau Esther ist immer auf der Suche nach der nächsten großen Geschichte und mittlerweile, bei ihren Kolleginnen und Kollegen, auch dafür bekannt, immer etwas Unerwartetes zu tun.

00:08:45: Und auch jetzt gerade im April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am April, am vor ihr je getan hat.

00:08:57: Sie ist nämlich investigativ unterwegs.

00:09:00: Und Linda, anhand deiner Reaktionen würde ich jetzt mal davon ausgehen, dass du vorher von dem Namen Esther Blender Nordström noch nie was gehört hast, oder?

00:09:09: Nee, eigentlich nicht.

00:09:11: Ich frage mich jetzt auch, warum sie die wahre Pipi Langström sein soll.

00:09:16: Also klar, sie ist Mutter, sie ist Tapfa, aber hat sie ein Affen, ein Haus und ein Pferd?

00:09:23: Eine kuntermunte Villa.

00:09:25: Das müssen wir so ein bisschen erforschen.

00:09:27: Es gibt tatsächlich schon ganz viele Parallelen zwischen Esther und Pipi Langstrumpf.

00:09:32: Aber kurz vorab, es ist jetzt nicht exakt die gleiche Geschichte.

00:09:36: Wir müssen so ein bisschen danach suchen, was Astrid Lindgren wahrscheinlich inspiriert haben könnte.

00:09:42: Also diese Frau soll für Astrid Lindgren wirklich das Vorbild für Pipi Langstrumpf gewesen sein?

00:09:47: Ja, tatsächlich ist das so.

00:09:48: Du hast ja gerade schon ein paar Eigenschaften aufgezählt von Pipi Langstrumpf, nämlich, dass sie wild ist, mutig ist und vor allem wahnsinnig stark.

00:09:56: Und sie ist ja auch so eine Art Freigeiß, die sich nicht an Konventionen hält, was man zum Beispiel auch an ihrem sehr außergewöhnlichen Lebensstil sieht.

00:10:06: Oder, und das hast du ja auch schon am Anfang der Folge gesungen, an dem Titelsong der Serie, Ich mach mir die Welt, wieder, wieder, wie sie

00:10:13: mir gefällt.

00:10:14: Ja, und diesen Song, den kannst du dir natürlich noch mal mehr merken, auch wenn der wahrscheinlich eh schon ein Ohrwurm geworden ist.

00:10:22: Und die Eigenschaften, die wir gerade besprochen haben, auf die kannst du ja jetzt auch mal achten, wenn wir etwas mehr zu Esther erfahren.

00:10:30: Esther ist nämlich jetzt gerade ja auf diesem investigativen Einsatz.

00:10:34: Und nach dem anstrengenden Arbeitstag liegt Esther erschöpft in der dunklen Kammer und betrachtet ihre rissigen Hände.

00:10:43: Sehen gerade nicht mehr so aus wie die einer Dreiundzwanzigjährigen, sondern eher wie die einer mindestens doppelt so alten Frau.

00:10:52: Doch der Rest von Esther ist unverändert geblieben.

00:10:55: Ihre kurzen, rötlich blonden Haare fallen ihr in Locken auf ihre Stirn.

00:11:00: Und ihr durchdringener Blick ist wach.

00:11:03: Wir laden euch natürlich bei Instagram unter True Love Podcast auch alle Bilder hoch.

00:11:08: Du hast mir die ja auch gerade gezeigt.

00:11:10: Und ich muss sagen, da ... sehe ich die Ähnlichkeit zu Pipi Langstrumpf.

00:11:16: Also sie hat keine zwei Zöpfe.

00:11:18: Ich weiß nicht, ob sie Sommersprossen hat.

00:11:20: Ja, als Kind auf jeden Fall richtig viele.

00:11:22: Ah.

00:11:23: Okay, aber dieser Blick, das ist ja Pipi durch und durch.

00:11:28: Also so dieses ein bisschen trotziger und dieses so, ne, wenn ich was will, dann nehme ich mir das auch.

00:11:34: Das passt auf jeden Fall.

00:11:36: Also du wirst merken, Esther ist wirklich die Stärke in Person.

00:11:41: Ich glaube, wenn es anatomisch möglich wäre, dass ein Mädchen ein schweres Auto heben würde, Esther würde das hinkriegen.

00:11:48: Oder ein Pferd.

00:11:49: Oder ein Pferd.

00:11:50: Jetzt gerade versucht sie erst mal, die besten Geschichten des Landes zu finden, die auch was in der Gesellschaft verändern können.

00:11:57: Normalerweise lebt Esther ein Stockholm.

00:12:00: Dort wohnt sie mit ihrer Schwester in einer kleinen Wohnung, die ziemlich intensiv nach Rauch riecht.

00:12:07: Esther ist nämlich ... Leidenschaftliche Kettenraucherin.

00:12:11: Ist das so normal für Frauen damals schon, ne?

00:12:13: Nee, gar nicht, nämlich.

00:12:15: Also, ich glaube, jetzt werden einige so, oh Gott, die Wohnung wird so eklig riechen, weil sie raucht auch sehr viel drin.

00:12:22: Aber es ist von Esther auch sogar so was, eher so eine Akt des Widerstands.

00:12:27: Weil bis dahin haben eigentlich jahrelang nur Männer geraucht.

00:12:31: Und das ändert sich aber jetzt gerade so ein bisschen.

00:12:33: Und Zigaretten sind in dieser Zeit für viele Frauen ein Zeichen für ein selbstbestimmtes freies Leben.

00:12:40: Und genau das will Esther.

00:12:43: Sie will frei sein.

00:12:44: Sie will Neues ausprobieren und Abenteuer erleben.

00:12:52: Am liebsten fährt sie mit ihrem dunkelgrün Motorrad durch die Straßen von Stockholm.

00:12:57: Vorbei an reichdekorierten Häuserfassaden überholt sie klapprige von Pferden gezogene Holzkarren und weicht den Schienen der elektrischen Straßenbahn aus, die es erst seit ein paar Jahren gibt.

00:13:08: Auch heute, ein paar Monate, bevor sie als Markt Kühe melkt, beraust Esther auf ihrem Motorrad durch die Stadt.

00:13:17: Vor ihr huschen Männer mit Gehstöcken und runden Hüten über die Straße.

00:13:22: Die Frauen tragen lange Röcke und Hüte.

00:13:25: Esther sieht an sich selbst herab.

00:13:27: Sie sieht ganz anders aus.

00:13:29: Sie trägt schwarze Lederhandschuhe, ein schwarzen Lederhelm und robuste Hosen.

00:13:35: Frauen tragen zu dieser Zeit aber eigentlich keine Hosen, sondern aufwendige Kleider.

00:13:41: Für Esther ist ihr Outfit aber die einzig logische Entscheidung.

00:13:44: Denn wie soll sie mit einem langen Kleid Motorrad fahren?

00:13:50: Ja, das erinnert mich natürlich alles total an Pipi Langschrumpf.

00:13:53: Komplett.

00:13:53: Wir haben ja bei Pipi auch immer Annika noch.

00:13:56: Also Annika und Tommy, die beiden Nachbarskinder, die zu Besuch kommen.

00:14:01: Und Annika ist ja eher so ein bisschen süß und lieb und so, wie man eher erwartet hat, von einem Mädchen zu sein.

00:14:08: Und Pipi, der ist das ja alles vollkommen egal.

00:14:12: Die trägt was sie will, die macht was sie will.

00:14:14: Die sehe ich auch sehr auf einem Motorrad hin und her fahren.

00:14:19: Das ist schon lustig, weil Estas vielleicht ein bisschen erwachsen geworden wäre.

00:14:24: Ja und nicht nur Estas Outfit ist super ungewöhnlich, sondern die Tatsache, dass sie überhaupt Motorrad fährt.

00:14:30: Also auch Motorräder sind zu dieser Zeit insgesamt noch viel seltener als Autos und deswegen schauen die Passanten jetzt auch Estas mit weit aufgerissenen Augen hinterher, als sie so die Straße entlang düst.

00:14:44: Esthers Freundinnen sind sogar davon überzeugt, dass Esther die erste Frau in ganz Schweden ist, die Motorrad fährt.

00:14:52: Vor einem hohen Gebäude in der Innenstadt kommt sie zum Stehen.

00:14:56: Hier befinden sich die Redaktionsräume des schwedischen Tageblatt.

00:15:00: Das ist die führende Kulturzeitung des Landes.

00:15:04: Manchmal kann Esther es immer noch nicht richtig glauben, dass sie wirklich hier arbeitet.

00:15:10: Ich erinnere mich sehr gut an eine Serie, die ich super gerne geguckt habe, Good Girls Revolte.

00:15:16: Und die geht auch um junge Frauen, die bei einer Zeitung arbeiten, die dort aber eigentlich gar nicht richtig schreiben durften.

00:15:23: Also die waren irgendwie nur Sekretärinnen.

00:15:25: Und wenn sie was geschrieben haben, haben ihre männlichen Kollegen eigentlich da immer ihren Namen drunter gesetzt.

00:15:31: Und es war so ein bisschen so, wenn wir mal eine Hochzeitsanzeige haben, dann kann die vielleicht auch eine Frau schreiben.

00:15:37: Aber die wichtigen Themen, die machen ja wohl die Männer.

00:15:40: Ja,

00:15:40: also genau die Erfahrung hat Esther auch gemacht.

00:15:43: All ihre Kolleginnen, das klingt jetzt als ob es super viele wären, das waren teilweise in den Redaktionen, sie waren bei drei Zeitungen insgesamt schon, das war in allen Redaktionen nur eine Handvoll Frauen, immer eher Übersetzerinnen oder welche.

00:15:55: die was abtippen mussten für die Männer.

00:15:58: Esther wollte aber immer schon eigene Artikel schreiben.

00:16:00: Deswegen hat sie den Zeitungen davor, dass immer mit einer anderen Signatur unterschrieben.

00:16:05: Und zwar immer mit The Boy, also der Junge, um das so ein bisschen offen zu lassen.

00:16:10: Weil sie wollte einfach schreiben und will es auch immer noch.

00:16:13: Aber musst du dafür bisher jetzt schon sehr stark kämpfen, dass sie überhaupt an diesem Ort sein darf?

00:16:17: Weil du hast es ja gerade schon gesagt, das ist erst mal in der Zeit eher Männern vorbehalten.

00:16:24: Und Frauen werden nicht nur schlechter bezahlt, sondern auch gar nicht so richtig ernst genommen wie ihre Kollegen.

00:16:30: Und das spiegelt einfach ganz klar auch so den Zeitgeist wieder.

00:16:34: Ja, in Deutschland war das jetzt zum Beispiel so, wenn ich mich richtig dran erinnere, dass seit nineteenhundert ja sogar Gewalt in der Ehe erlaubt war.

00:16:43: Also, der Ehemann entschied ja über alles, über Wohnort, über Haushaltsführung, darüber mit wem die Frau ... sich überhaupt treffen durfte oder ob sie arbeiten durfte und der weibliche Körper, das finde ich so hart, gehörte juristisch dem Teil der Ehe.

00:17:00: Also eine eigene sexuelle Selbstbestimmung gab es da nicht und damit waren ja Vergewaltigungen in der Ehe auch kein Strafbestand.

00:17:08: Ja,

00:17:08: also es wurde ja auch erst Ende der neunziger Jahre geändert.

00:17:12: Unfassbar.

00:17:13: Und das ist die Ausgangslage, in der wir uns befinden.

00:17:17: Frauen sind Männern in jeglichen Bereichen untergeordnet, teilweise sogar per Gesetz untergeordnet.

00:17:24: Und um das nochmal zu unterstreichen, wie das in der Redaktion damals war, ich habe etwas gefunden aus einem damaligen amerikanischen Journalismushandbuch, was ich auch nicht glauben konnte.

00:17:35: Ich glaube, ich bin auch so schockiert, weil es ja auch so unseren Beruf betrifft, den wir jetzt gerade ausüben.

00:17:40: Denn in diesem Journalismushandbuch wird damals ganz offen vor Frauen in Redaktionen gewarnt.

00:17:48: Hierin heißt es, Frauen seien zu nervös, zu zerbrechlich und dem Beruf insgesamt nicht gewachsen.

00:17:55: Einige Journalisterinnen heißt es dort, seien an Überarbeitung gestorben.

00:18:00: andere seien wegen Zitat nervöser Erkrankungen in seiner Tourien eingeliefert worden, manche hätten schlussendlich geheiratet und sind so aus der Redaktion ausgeschieden, andere seien auf die Zitat untersten Stufen der Gesellschaft gesunken, womit dann nicht Armut gemeint ist, sondern Zitat moralischer Abweichung, sexuelle Selbstbestimmung, Affären, Alkohol oder ein Leben in sogenannten zweifelhaften Kreisen.

00:18:27: Das ist so... unglaublich, finde ich.

00:18:29: Vor allem, wenn man einfach bedenkt, dass Frauen ja auch diejenigen sind, die Kinder kriegen.

00:18:33: Also, die stehen Schmerzen durch, die wahrscheinlich kein Mann jemals durchnehmen könnte.

00:18:39: Und trotzdem hieß es dann die journalistische Arbeit.

00:18:41: Dafür werden die Frauen zusammengestellt.

00:18:43: Es gab ja auch lange Diskussionen darüber, ob Frauen überhaupt ein Land reagieren könnten, weil wenn sie dann ihre Tage haben, dann wäre ja das ganze Land im Ausnahmezustand oder ob Frauen ein Marathon laufen dürften oder ob sie dafür auch nicht stark genug sein, wo ich so denke, Frauen machen das Stärkste, das Unglaublichste auf der Welt.

00:19:04: Sie bringen Kinder zur Welt.

00:19:07: Und trotzdem wurde dran gezweifelt, ob sie stark genug sind, irgendwas zu machen.

00:19:11: Das ist wirklich unglaublich, finde ich.

00:19:13: Und es ist vor allem auch für Esther unglaublich.

00:19:16: Also, die findet das ungerecht, die findet das unfair und sie will das verändern.

00:19:20: Und das weiß sie schon, seitdem sie klein ist, sie wollte schon als kleines Mädchen immer schreiben.

00:19:25: Und seit drei Jahren arbeitet sie deswegen schon in diesem Redaktionsberuf.

00:19:31: An dem ersten Tag wandert die zwanzigjährige damals fasziniert durch die schmalen Flure der Redaktion.

00:19:38: Von den Wänden halt das Klicken der Schreibmaschinen.

00:19:41: Es riecht nach Druckerschwärze und überall herrscht konzentrierte Stille.

00:19:45: Esther ist sofort begeistert.

00:19:48: Sie liebt es mit Wörtern zu jonglieren und Geschichten zum Leben zu erwecken.

00:19:53: Und sie lässt sich auch nicht davon abhalten, dass die wenigen Frauen in der Redaktion auch damals gar nicht bei den Männern sitzen dürfen.

00:20:00: Die sind nicht im großen Redaktionskonferenzraum, sondern müssen in so einen abgesonderten Teil, in so ein kleines Zimmer, was neben den Druckerräumen ist und deswegen auch voll oft so nach Chemie stinkt.

00:20:11: Und es wird auch ganz abfällig im Redaktionsraum nur der Jungfernturm genannt, wo dann die wenigen Frauen sitzen.

00:20:17: Klar.

00:20:18: Wie sexistisch willst du einen Namen machen?

00:20:20: Und das hält aber auch weiterhin Esther nicht von diesen Geschichten ab.

00:20:23: Schon nach wenigen Tagen veröffentlicht Esther ihren ersten Artikel.

00:20:27: Das ist keine bahnbrechende Reportage, sondern erst mal nur eine kurze Meldung.

00:20:32: Aber Esther ist trotzdem unendlich stolz.

00:20:36: Am Tag der Veröffentlichung schlägt sie aufgeregt die raschelnde Zeitung auf und sucht nach ihrem allerersten Text.

00:20:43: Als sie ihn gedruckt vor sich sieht, ist sich Esther sicher, sie ist genau am richtigen Platz.

00:20:49: Ich weiß nicht, Lin, kannst du dich noch an die erste journalistische Arbeit erinnern, die du Jemals mit deinem Namen oder mit deinem Kürzel, The Boy oder was auch immer, in dem Fall Esther genommen hat, dass du noch war, fabriziert hast.

00:21:02: Weil ich weiß es bei mir noch ganz genau.

00:21:04: Und ich war auch so krass stolz.

00:21:07: Ja, bei mir gibt es eigentlich so zwei Momente.

00:21:09: Ich habe, glaube ich, als ich zwölf war oder so das erste Mal im Deutschunterricht eine richtige Geschichte geschrieben.

00:21:15: Und ich erinnere mich an diese Geschichte noch bis heute.

00:21:18: Es hat mir so viel Freude gemacht, das zu schreiben.

00:21:22: Eine Geschichte geschrieben über einen Mann, der im Krankenhaus liegt und an dem das ganze Leben vorbeizieht.

00:21:28: Oh Gott, wie deep.

00:21:29: Ja, keine Ahnung, was bei mir mit zwölf los war.

00:21:32: Aber ich fand dieses Bild so schön, dass ihm Blumen gebracht werden und diese Blumen erinnern ihnen an sein ganzes Leben, weil sie so nach Sommer riechen, nach rauskommen.

00:21:41: Und dieses bildliche Schreiben, weiß ich noch ganz genau, habe ich mit zwölf gedacht, ist so toll und macht mir so viel Freude.

00:21:50: Und genauso war es dann ja wirklich, als ich dann das erste Mal in einer Redaktion gearbeitet habe und gedacht habe, hier gehöre ich hin.

00:21:57: Das ist wirklich was ich machen will.

00:21:59: Und deswegen kann ich Esther auch total gut nachvollziehen.

00:22:02: Wenn du diese Freude am Schreiben findest, ist das halt so eine Freiheit das machen zu dürfen, was du willst.

00:22:10: Ja, und erstmal diese Leidenschaft auch zu entdecken.

00:22:12: Ich weiß auch noch genau, als ich mein erstes Praktikum bei einer großen Zeitung gemacht habe, und die Artikel schreiben konnte, auf die ich Lust hatte.

00:22:20: Einfach Filmrezension über ... Ich hab auch so Reportagen geschrieben, irgendwelche ... Erfahrungsberichte und so.

00:22:27: Also, das hat so viel Spaß gemacht.

00:22:29: Ich bin nach Hause gegangen und hab einfach so einen Vlog gestartet, weil ich noch weiterschreiben wollte nach der Arbeit, weil ich gemerkt hab, dass ich noch andere Sachen rauslassen will.

00:22:40: Und deswegen, ich kann es da komplett verstehen, dass sie sich denkt, auch wenn ich hier als Frau in der Redaktion ... Ganz klare Seltenheit bin, will ich mich hier irgendwie durchkämpfen.

00:22:50: Und angetrieben von den Diskussionen mit ihren insgesamt drei Kolleginnen stürzt sich Esther in eine Recherche über Frauenrechte hier.

00:22:59: Sie interviewt jetzt prominente Frauenrechtlerin aus der ganzen Welt und lässt im Artikel auch ihre eigene Meinung durchschimmern.

00:23:07: Der Chefredakteur denkt jetzt anders als seine männlichen Kollegen.

00:23:12: Er ist begeistert von Estas frischer präziser Sprache.

00:23:16: und ihren Ideen.

00:23:18: Esther's Talent bleibt nicht lange unentdeckt und schon bald wird ihr eine Festanstaltung bei einer großen nationalen Zeitung, dem schwedischen Tageblatt, angeboten.

00:23:28: Dort, wo sie jetzt gerade auch vor der Tür steht.

00:23:32: Über ihrem Kopf wählt eine gigantische Flagge mit gelben Kreuz auf blauem Grund.

00:23:38: Mit schnellen Schritten eilt Esther durch die gewölbte Tür und die gußeisane Wendeltreppe hinauf und lässt sich auf ihren Platz fallen.

00:23:46: Dann zückt sie Stift und Papier und beginnt zu schreiben.

00:23:51: Jetzt gerade gibt es nämlich in Schweden eine hitzige Debatte über Hutnadeln.

00:23:56: Das sind lange Spitzenadeln zur Befestigung großer Hüte.

00:24:01: Und

00:24:01: was wird da hitzig debattiert?

00:24:04: Ob man einen nutzt oder nicht?

00:24:06: Ja genau das ist es, also ob man die doch nutzen sollte, weil es gab einen Unfall in einer Straßenbahn in Stockholm, wo eine stolperne Frau mit dieser Hutnadel einen Mann ins Auge gestochen hat, sodass der Mann dann fast abblindete.

00:24:21: Und weil das nicht nur in Stockholm passiert ist, sondern es in ganz Europa zu ähnlichen Unfällen kam, wird jetzt gerade über ein Verbot diskutiert.

00:24:29: Also wer braucht dann bitte auch Hutnadel?

00:24:32: Also ich hab davon auch noch nie mitbekommen, dass es sowas überhaupt gab, weil das klingt schon echt irgendwie saugefährlich und unnötig.

00:24:39: Aber gut.

00:24:40: Esther denkt sich, ich will nicht einfach so darüber was schreiben.

00:24:42: Ich trage das jetzt nicht so viel, aber vielleicht kann ich das ja mal ausprobieren.

00:24:46: Und deswegen setzt sich Esther für ihre Reportage mit einer besonders spitzen Hutnadel in eine besonders volle Straßenbahn hinein und schaut mal, was passiert.

00:24:55: Gott,

00:24:56: sie war so richtig so, lass mal noch jemanden aufspießen.

00:25:00: Sie

00:25:00: wollte vor allem so ein Stimmungsbild kriegen, wie die Leute reagieren, wenn man das noch trägt.

00:25:04: Und sie merkt, sie erntet wütende Blicke.

00:25:07: und wird sogar von einigen Leuten als verdammte Huche beleidigt.

00:25:11: Wow!

00:25:12: Ja, sehr intensive Reaktion auf diese Hutnade.

00:25:17: Und genau darüber schreibt Esther jetzt eine mitreißende Geschichte, die ein paar Tage später von den Lesern förmlich verschlungen wird.

00:25:25: Esther arbeitet jetzt fast jeden Tag bis zum späten Abend.

00:25:29: Erst gegen zehn Uhr nachts streckt sie ihre Steifenglieder und packt ihre Tasche.

00:25:34: Feierabend.

00:25:36: Doch noch geht Esther nicht nach Hause.

00:25:39: Sie zieht jetzt einen Stockwerk tiefer in die Kneipe, die direkt unter der Redaktion liegt.

00:25:44: Der Raum ist in schwere Rauchschwaden gehüllt und auch Esther zunützt sich hier eine Zigarette nach der anderen an.

00:25:51: Skoll, ruft sie laut und hebt ihr Bier in die Hand.

00:25:54: Lachend stoßen ihre Kollegen mit ihr an.

00:25:57: Dass Frauen alleine so spät noch in Kneipen sitzen und gemeinsam mit Männern da trinken, ist ziemlich ungewöhnlich, finden sie.

00:26:06: Aber Esther macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt.

00:26:11: Im Frühjahr, um vierzehn, fällt ihr dann eine Anzeige auf.

00:26:15: Ein Bauer sucht über eine Annonce Folgendes.

00:26:18: Sofortige Anstellung für eine Haushälterin.

00:26:21: Zu dieser Zeit diskutieren Politiker bereits schon seit Jahren über den Mangel an Märkten auf schwedischen Höfen.

00:26:29: Die Märkte werden für die harte Arbeit eigentlich dringend gebraucht.

00:26:33: Aber immer weniger junge Frauen bewerben sich auf die ausgeschriebenen Stellen.

00:26:38: Esther will jetzt herausfinden, warum das so ist.

00:26:41: Also beschließt sie, vor Ort zu recherchieren.

00:26:45: Sie will selbst ein Monat auf einer abgelegenen Farm im südlichen Schweden arbeiten und am eigenen Leib erfahren, wie der Alltag von Mäkten aussieht und wie sie behandelt werden und dann später darüber schreiben.

00:26:59: Die Familie, bei der sie sich als Markt bewirbt, ahnt davon nichts.

00:27:03: Esther geht also wirklich undercover und macht jetzt damit etwas, was noch kein anderer schwedischer Journalist jemals getan hat.

00:27:14: Aber Esther sagt sich, so etwas hat noch nie jemand gemacht, also werde ich es natürlich tun.

00:27:20: Oder Lin, weißt du was Pipi Langstrumpf's Standardspruch ist in solchen Momenten?

00:27:26: Sagt sie nicht immer so was?

00:27:27: Das habe ich irgendwie noch nie vorgemacht.

00:27:30: Deswegen bin ich mir sicher, dass ich das schaffe oder so?

00:27:32: Also bin ich mir völlig sicher, dass ich das schaffe.

00:27:36: Und erst da ist ich da auch völlig sicher.

00:27:39: Aber dann ist sie ja auf dem Bauernhof und merkt jetzt,

00:27:43: ups,

00:27:43: vielleicht war sie sich da doch etwas zu sicher vor dem Experiment.

00:27:48: Denn das Leben auf dem Bauernhof ist hart und der Ton rau.

00:27:53: Sechzehn Stunden pro Tag muss Esther hartkörperlich arbeiten.

00:27:58: Nachts schläft sie neben der anderen Markt, Siegret, auf einer Engmatratze über die Bettwanzen krabbeln.

00:28:05: Freie Tage gibt es nicht.

00:28:07: Nur Sonntags dürfen die Mägde den Hof für zwei Stunden verlassen.

00:28:11: Dann spaziert Esther mit Siegret am Bach entlang.

00:28:14: Sie lassen sich ins Gras fallen und beobachten die vorbeiziehenden Wolken.

00:28:19: Manchmal spielt Esther auf ihrer Muntamonika.

00:28:22: Und Siegret tanzt.

00:28:24: Siegret wächst Esther schnell ans Herz.

00:28:27: Sie mag ihre resolute Art und ist beeindruckt, wie sie den harten Alltag meistert.

00:28:33: Bei einem dieser Ausflüge fragt Esther ihre neue Freundin, wie viel sie eigentlich verdient.

00:28:39: Fünfzehn Kronen im Monat, antwortet die Mag leise.

00:28:43: Boah, das kommt mir sehr wenig

00:28:45: vor.

00:28:46: Ja, also Esther ist komplett schockiert.

00:28:48: Sie schaut Siegret jetzt schockiert an.

00:28:51: Und realisiert, das ist zehnmal so wenig wie das, was sie als Reporterin pro Monat verdient.

00:28:57: Und auch was sie als Reporterin verdient, ist nur die Hälfte von dem, was ihre männlichen Kollegen verdienen.

00:29:04: Und man muss dazu noch mal sich vor Augen rufen, Siegret arbeitet den ganzen Tag und ja, zerstört auch eigentlich im Körper damit.

00:29:14: Nach einem Monat ist es für Esther jetzt an der Zeit wieder aufzubrechen.

00:29:19: Um ihre Tarnung aufrecht zu erhalten, erzählt sie dem Bauern, dass es einen Todesfall in der Familie gab und sie jetzt auf dem Hof ihrer eigenen Familie gebraucht wird.

00:29:28: Als sich Esther dann auch von Secret verabschiedet, ist ihre Stimme belegt.

00:29:32: Tränen, brennen ihren Augen.

00:29:35: Zurück in Starkholm beginnt Esther jetzt sofort zu schreiben.

00:29:38: Das ist ja auch schon revolutionär, dass sie nicht nur über die Leute schreibt, sondern auch, dass wirklich erlebt hat, also sich das richtig angeschaut hat.

00:29:48: Ja, ich glaube, das ist ja sogar noch nicht mal mehr in der heutigen Zeit so normal, dass man für Recherchen und Reportagen auch in die Welt hineingeht und dort lange eigene Erfahrungen sammelt.

00:29:58: Und noch ungewöhnlicher war das damals.

00:30:02: Zurück in Stockholm beginnt Esther jetzt sofort zu schreiben.

00:30:06: Sie berichtet von der harten Arbeit, die sie an der Seite von Sigrid geleistet hat, während der Besitzer des Hofes den ganzen Nachmittag geschlafen hat.

00:30:15: Sie berichtet von dem geringen Gehalt, von den wenigen freien Stunden und dem ganzen Ungeziefer im Bett.

00:30:22: Am achtundzwanzigsten Juni, vierzehn, veröffentlicht das schwedische Tagesblatt den ersten Teil von Esters neunteiliger Reportage.

00:30:30: Aber das ist ja auch Wahnsinn, dass die jetzt so viel von ihr veröffentlichen.

00:30:36: Ja, also als Frau auch nicht so gegeben.

00:30:39: Also die Chefredaktion ist komplett begeistert, deswegen räumen sie Esther jetzt auch so viel Platz für die Berichte ein.

00:30:46: Und das Ungewöhnliche ist ja auch, dass die Reportage über eine gesellschaftliche Gruppe spricht, nämlich über Frauen auf Bauernhöfen, über die wahrscheinlich männliche Journalisten davor noch nie geschrieben haben.

00:30:59: Also nicht nur ist sie investigativ unterwegs, auch das Thema, was Esther gewählt hat, ist so vorher im Journalismus eigentlich nur Randnotiz gewesen.

00:31:09: Und es gibt jetzt zum Artikel auch noch Fotos, die ich mitgebracht habe.

00:31:13: Denn begleitet wird Esthers Text von einem Schwarz-Weiß-Foto, das Esther Wasserschleppend und lächelend vor dem Bauernhof zeigt und dann noch eins mit dem Bauern und den Kühen daneben.

00:31:26: Ja, auf dem linken Foto sieht sie auf jeden Fall sehr, sehr stark aus, weil da schleppt sie so zwei riesige Kanisterwasser.

00:31:35: Und das muss man ja wirklich sagen.

00:31:36: Frauen haben ja auf Höfen auch schon immer richtig hart gearbeitet.

00:31:40: Also, da waren sie wirklich alle kleine Pipilangstrumpf.

00:31:43: Ich habe ehrlich gesagt ein ziemlich ähnliches Bild, wie das von Esther, von meiner Oma bei mir in der Küche stehen, wo sie zwei riesige Milchkannen trägt und auch ein bisschen aussieht wie Pipilangstrumpf.

00:31:54: Ach, die hat auch keine Zöpfe.

00:31:56: Aber trotzdem, die Stärke ist auf jeden Fall sichtbar.

00:32:00: Ja, und das beeindruckt jetzt so viele Menschen.

00:32:02: Und es macht doch sehr viele Menschen wütend, weil auch gerade der Teil darüber, dass die Megde da alles machen und der Bauernhofbesitzer tagsüber halt sich auf die Couch legt und schläft, das ist keine Ausnahme, sondern die Erfahrung haben anscheinend noch mehr Frauen in Schweden gemacht.

00:32:20: Also, hat's hier ein wichtiges Problem beleuchtet?

00:32:23: Absolut.

00:32:24: Aber am gleichen Tag, an dem der erste Text veröffentlicht wird, fallen in Sarajevo zwei Schüsse.

00:32:31: Der Thronfolger von Österreich Ungarn, Franz Ferdinand und seine Frau sterben.

00:32:37: Nur ein Monat später beginnt der Erste Weltkrieg und Europa versinkt im Chaos.

00:32:43: Die Berichte über das Attentat verdrängen erst das Artikel von der ersten Seite.

00:32:48: Und

00:32:48: trotzdem gibt es in Schweden kaum ein anderes Gesprächsthema.

00:32:54: Am Ess-Tisch, in der Bahn oder in der Kneipe.

00:32:58: Ihr Artikel nicht das Attentat?

00:33:00: Ja, weil es wirklich eins der großen Probleme der Gesellschaft angegangen ist.

00:33:05: Alle sprechen jetzt über die mutige Journalistern und über die Situation der Dienstmädchen.

00:33:11: Esther kann das kaum glauben.

00:33:13: Sie hat es ganz alleine geschafft, eine nationale Debatte auszulösen.

00:33:18: In ihrer finalen Kolumne ergreift sie jetzt Partei für rund hundertvierzichttausend schwedische Mäkte.

00:33:24: Also sie schreibt jetzt hier ein eigenes Kommentar, wo sie auch ihre Meinung platziert und hier heißt es wie folgt.

00:33:35: Der Arbeitstag ist zu lang, die Arbeitsbelastung ist zu unaufgeteilt und unorganisiert, die Bezahlung ist zu niedrig und die Urlaubsvergütung viel zu gering.

00:33:56: Aber die Arbeitskräfte werden gebraucht, sie sind für das Überleben der Landwirtschaft notwendig und daher sollte es offensichtlich sein, dass etwas getan werden muss, um die Lage der Märkte etwas zu erleichtern und zu verbessern.

00:34:10: Das ist aber auch mutig, dass sie das so konkret fordert.

00:34:13: Total, also es ist super ungewöhnlich.

00:34:15: Und tatsächlich passiert jetzt auch noch etwas, was erst dann niemals erwartet hätte, nämlich nur wenige Monate später erscheint ihre Recherche auch als Buch.

00:34:26: Wow, also dann ist sie jetzt auch nicht nur Redakteurin, sondern auch Autorin auf einmal.

00:34:32: Ja, und es ist auch sofort ein Bestseller.

00:34:35: Die erste Auflage von als Markt unter Mäcken ist sofort ausverkauft.

00:34:40: genauso wie die zweite, dritte und vierte Auflage.

00:34:44: Insgesamt werden in den kommenden Jahren fünfunddreißig tausend Exemplare verkauft.

00:34:49: Und das Buch wird sogar als Theaterstück aufgeführt und verfilmt.

00:34:54: Man kann also sagen, Esther ist die Sensation des Jahres.

00:34:59: Und das mit dem ersten großen Artikel.

00:35:01: Wahnsinn!

00:35:03: Ja und vor allem mit gerade mal dreiundzwanzig Jahren.

00:35:06: Sie ist noch so jung.

00:35:11: Durch die Aufmerksamkeit beginnt sich jetzt auch ihr Leben immer schneller zu drehen.

00:35:15: Sie arbeitet jetzt noch immer viel, wird jetzt aber auch zu Schicken, Empfängen und Partys eingeladen.

00:35:21: Alle wollen der neuen Berühmtheit nahe sein und ihren Geschichten lauschen.

00:35:26: Die Aufmerksamkeit schmeichelt es da.

00:35:28: Und immer öfter hört man auch ihr lautes heißeres Lachen spät noch nachts in den Kneipen der Stadt.

00:35:35: Rauchend und trinkend unterhält sie die anderen Gäste mit Anekdoten.

00:35:39: Oder sie schnappt sich ein Akkordeon und singt breitgrinn sind freche

00:35:43: Lieder.

00:35:44: Da sehe ich ja auch Pipi Langstrumpf.

00:35:46: Also es könnte genauso gut Pipi sein, die auf einem Tisch steht, die Beine in die Luft wirft.

00:35:52: In ihrer Klasse.

00:35:53: Ja.

00:35:53: Und da irgendwie einfach singt und ihr ist scheißegal, was die Leute davon denken.

00:35:59: Und gegen die Lehrerin rebelliert.

00:36:01: Also wirklich, man kennt diese Szene einfach wirklich aus dem Film.

00:36:04: Ja.

00:36:05: Am nächsten Morgen wacht Esther dann ganz erschöpft in ihrem Bett auf.

00:36:08: Doch für eine Pause ist keine Zeit.

00:36:11: Nach ihrem Erfolg diskutiert die ganze Stadt darüber, was die mutige Reporterin wohl als Nächstes machen wird.

00:36:17: Jeder ihrer Schritte wird beobachtet und kommentiert.

00:36:20: Um dem Druck stand zu halten, arbeitet Esther jetzt noch mehr.

00:36:25: Und sie trinkt auch mehr, raucht mehr, lacht mehr.

00:36:28: Bis es irgendwann nur noch eine zerbrechliche Fassade ist.

00:36:33: Esther nimmt Berührungsmittel, um mit dem Stress umgehen zu können.

00:36:37: Sie hasst das Leben um Rampenlicht, die Aufmerksamkeit quält sie und doch findet sie keine Ruhe.

00:36:44: Immer öfter steigt Esther an dieser Zeit auf ihr Motorrad und tritt aufs Gaspedal.

00:36:49: Sie lässt die kürigen Straßen von Stockholm hinter sich und düst über kurvige Landstraßen vorbei an rot gestrichenen Bauernhöfen, grasenden Kühen und kristallklaren Seen.

00:37:01: Oft spürt sie dabei einen heißen Atem in ihrem Nacken.

00:37:05: Den Druck von Händen um ihre Teile.

00:37:09: Karin.

00:37:10: Ah, ich hab schon die ganze Zeit auf eine Liebesgeschichte gewartet für unsere echte Pipi Langstrumpf.

00:37:17: Wer ist denn jetzt Karin?

00:37:20: Ich würde ja schon mal erst mal die Gegentease aufstellen wollen, dass die wahre Liebesgeschichte oder Lebensgeschichte Kampf für Gleichberechtigung ist und vor allem ihre Liebe zum Schreiben, zum Journalismus.

00:37:33: Also das steht vollkommen am Vordergrund und ihre Stärke aberlen.

00:37:38: Natürlich gibt es auch noch eine andere Art von Liebesgeschichte, die in dieser großen Geschichte auftaucht und die heißt Karin.

00:37:48: Karin und Esther kennen sich jetzt schon seit einigen Jahren.

00:37:52: Wo genau sie sich kennengelernt haben, wissen wir leider nicht, darüber konnte ich keine Dokumente finden.

00:37:58: Vielleicht haben Freunde sie einander vorgestellt oder sie sind sich irgendwie zufällig bei einer Party begegnet.

00:38:05: Vielleicht war Esther auch sofort von Karins Anmut und ihrem Humor fasziniert.

00:38:09: Vielleicht fand Karin die kettenrauchenden Journalisten, die mit ihrem Motorrad durch die Gegend rast, vom ersten Moment an unwiderstehlich.

00:38:19: Sicher ist nur, sie bewegen sich in derselben Bubble, in denselben Künstler und intellektuellen Kreisen.

00:38:27: Und?

00:38:27: Sie bringen einander zum Lachen.

00:38:29: Ich hab dir auch mal ein Foto von Karin mitgebracht.

00:38:33: Oh, Karin ist auf jeden Fall eine sehr, sehr hübsche Frau.

00:38:38: Du hast mir gerade auch so ein Porträt mitgebracht.

00:38:39: Das könnte irgendwo auch gefühlt in so einem Schloss hängen.

00:38:42: Weil sie guckt so ganz verträumt und sanft nach oben.

00:38:45: Also sie hat wirklich so ganz liebevolle Gesichtszüge.

00:38:50: Mhm.

00:38:51: Ja, und genauso wird sie auch von dem Umfeld wahrgenommen.

00:38:53: Also sie ist so ganz anmutig und ... sanft mit ihrer Umwelt.

00:38:58: und da ergänzen sich Esther und Karen auch sehr gut, weil Esther ist ja so ein bisschen direkter und Forscher.

00:39:05: Karen ist die einzige, die Esther, die ja eigentlich so glücklich über ihren Erfolg sein sollte, richtig versteht.

00:39:13: Bei Karen kann sich Esther fallen lassen.

00:39:16: Gemeinsam genießen sie unbeschwerte Momente.

00:39:20: Im Winter preschen sie auf Skiern verschneite Pisten hinab, Und Karen begleitet sie auf mehreren Recherche reisen.

00:39:28: Einmal sind die beiden Seite an Seite durch Paris geschlendert.

00:39:32: Sie haben das gute Essen genossen, die Schachspieler im Café de la Regence beobachtet und sind sich immer näher gekommen.

00:39:40: Fern von ihrem eigentlichen Leben konnten sie hier frei sein.

00:39:44: In Schweden muss man sagen, gelten Liebesbeziehungen zwischen Frauen als krank.

00:39:50: und als Zitat Schande für angesehene Familien.

00:39:55: Esther und Karen hätten wegen ihrer Liebe in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden können.

00:40:02: Das ist so verrückt.

00:40:05: Frankreich ist hier allerdings ein bisschen offener und hier kennt sie ja auch niemand.

00:40:10: In Schweden müssen sie nun wieder vorsichtig sein.

00:40:14: Außerdem hat Karen irgendwann auch einen Mann geheiratet.

00:40:17: Sie hat Esther davor schon kennengelernt.

00:40:20: Aber, das ist so ein bisschen mein Gefühl, es war so ein bisschen von ihr gefordert, dass sie auch irgendwann noch einen Mann heiratet.

00:40:27: Und Esther wiederum tut das nicht.

00:40:29: Deswegen stößt es ihr auch ziemlich bitter auf, dass Karen irgendwann jemanden geheiratet hat.

00:40:35: Es hält die beiden aber auch nicht davon ab, dass sie sich weiterhin treffen.

00:40:39: Es gibt leider nicht besonders viele Aufzeichnungen über ihre Beziehung.

00:40:44: Ich erkläre dir am Ende noch, woran das wahrscheinlich liegen kann.

00:40:48: Aber es gibt ein Reisetagebuch-Eintrag, den ich finden konnte, den Karen während eines mehrtägigen Sommerausflugs schreibt.

00:40:58: Und das hier ist ein Teil davon.

00:41:02: Hier schreibt sie nämlich über Esther Folgendes.

00:41:12: Und ihre Güter ist unermesslich.

00:41:16: Das klingt aber schon sehr liebevoll.

00:41:19: Also die Bucht könnte man jetzt auch doppelt interpretieren.

00:41:23: Das

00:41:23: würde ich nämlich jetzt auch so sagen.

00:41:25: Es gibt wie gesagt nicht so viele Aufzeichnungen über ihre Beziehung, aber heutzutage geht man auf jeden Fall davon aus, dass es nicht nur eine tiefe Freundschaft war, sondern auch eine romantische Beziehung.

00:41:38: Und Karen hilft Esther jetzt auch in der Zeit so ein bisschen ... mit sich selber klarzukommen, mit ihrem Erfolg, mit dem, was sie eigentlich will vom Leben.

00:41:45: Und die beiden sprechen überall das jetzt auch, als sie sich an einem Flussufer niederlassen.

00:41:52: Hier erkennt Esther im Gespräch Glas klar, sie kann das alles nicht mehr.

00:41:57: Sie muss weg, sie muss raus aus dem Redaktionsalltag, raus aus Stockholm, raus aus dem Rampenlicht.

00:42:06: Auf einer Party lernt sie jetzt zufällig einen bekannten Geologen kennen.

00:42:11: Er ist fasziniert von der jungen Journalistin und schlägt es da jetzt vor, mit ihm in den Norden zu ziehen, in die Wildnis von Lapland zu den Sami.

00:42:21: Die Sami sind das indigene Volkskandinaviens, das seit Jahrhunderten mit Rentien umherreißt und dort ganz im Norden von Skandinavien im Einklang mit der Natur lebt und auch er unter sich bleibt.

00:42:35: Ah, sind das nicht die, die auch bei Klaus bei diesem Weihnachtsfilm dabei sind?

00:42:39: Ja, tatsächlich.

00:42:40: Also das kleine Mädchen im tollsten Animations-Weihnachtsfilm aller Zeiten, Klaus, große Empfehlung an dieser Stelle, ist tatsächlich auch ein kleines Mädchen der Sami.

00:42:49: Ja, also falls ihr das gesehen habt, das ist eine Anspielung an dieses einheimische Volk.

00:42:56: Es ist aber so, dass die schwedische Gesellschaft vor allem in dieser Zeit viele rassistische Vorurteile gegen die Sami hat.

00:43:04: Es da wiederum sieht das aber ganz anders.

00:43:07: Sie möchte über das Volk und ihr Leben berichten, also nimmt sie die Einladung an.

00:43:14: Ungefähr ein Jahr nach ihrem ersten Undercover-Einsatz reist Esther jetzt nach Lapland und bewirbt sich hier auf eine freie Stelle als Nomadenlehrerin bei einer finnischsprachigen Sami-Gemeinschaft.

00:43:28: Es ist auch so toll, dass sie einfach sowas macht, also an die entlegensten Ecken der Welt geht, um Geschichten zu schreiben, was ein Traum.

00:43:36: Ja, und vor allem sich auch immer auf die Geschichte so hundertprozentig einlässt.

00:43:40: Also sie will da jetzt wirklich wieder mit den Leben dort arbeiten, um dann über sie zu schreiben und nicht durch so ein paar Interviews, sondern wirklich durch Erfahrungsberichte vor Ort.

00:43:51: Sie bewirbt sich ja jetzt auf diese Stelle als Nomadenlehrerin und wird auch angenommen und soll jetzt die Kinder der Sami auf der achzenwöchigen Reise in das Sommerlager in den norwegischen Bergen unterrichten.

00:44:04: Wieder hat sich Esther also für den Schritt in ein überaus hartes Leben entschieden.

00:44:09: Wie hart?

00:44:10: Das erfährt Esther bei ihrem ersten großen Marsch.

00:44:18: Ein abbarmungsloser Eisregen teitscht über die Tunnerer.

00:44:23: Wie kleine Nadeln bohren sich die Tropfen in Esthers Gesicht.

00:44:27: Vor ihr schlängelt sich eine scheinbar endlose Kolonne aus Menschen, Hunden und Rentilen durch das unendliche Weiß.

00:44:35: Außer dem Pfeifen des Windes kann Esther hier nichts hören.

00:44:39: Keine Gespräche, keine Lieder, die angestimmt werden.

00:44:43: Nur ein lautloses, mühsames Vorankämpfen in Zeitlupe.

00:44:48: Esther ist in die traditionelle Sami Montur gehüllt.

00:44:52: Ein dicker Zwiebellook, bestehend aus Leder, Fell und Wolkleidung.

00:44:57: Ihre Hände stecken in Fellfeustlingen, die zusätzlich mit Heu ausgestopft sind.

00:45:03: Aber trotzdem bahnt sich die Kälte ihren Weg in ihren Körper.

00:45:08: Mittlerweile spürt Esther ihre Füße nicht mehr.

00:45:13: Erst nach mehr als

00:45:14: acht

00:45:15: Stunden Fußmarsch erreicht die Gruppe mitten in der Nacht ihr Etappenziel.

00:45:20: Im peitschen Wind bauen die Sami ihre Zelte aus.

00:45:24: Sie stopfen heu in ihre Schuhe und stellen sie möglichst nah ans prasselnde Feuer.

00:45:29: Die Wärme macht Esther ganz schläfrig.

00:45:32: Und während die Sami noch über die weitere Etappe sprechen, schläft

00:45:35: Esther

00:45:36: ein.

00:45:37: Als sie zwölf Stunden später aufwacht, begrüßt sie einen strahlen blauer Himmel.

00:45:43: Ein Großteil der Gemeinschaft ist bereits auf den Beinen.

00:45:46: Einige sammeln Holz, andere kochen oder kümmern sich um die Rentiere.

00:45:51: Aufgeregt sucht Esther ihre Kamera und springt aus dem Zelt.

00:45:55: Sie will den Alltag der Sami so gut es geht festhalten.

00:46:00: Und Lynn auch von diesem Tag habe ich dir ein Foto mitgebracht, das Esther von sich hat machen lassen, zusammen mit einem Sami-Anführer.

00:46:08: Also dieses Foto ist total beeindruckend, weil es wirklich zeigt, dass sie in eine komplett andere Welt eingetaucht ist.

00:46:15: Also sie trägt auch die traditionellen Kleider.

00:46:18: Und ich hätte mich noch nicht mal gewundert, wenn du mir gesagt hättest, dass es ein Sami-Paar, das da lebt.

00:46:24: Also sie passt irgendwie so gut rein.

00:46:26: Und sie sieht auch sehr glücklich aus.

00:46:28: Also sie hat ein riesiges Strahlenes Lächeln im Gesicht.

00:46:30: Er wiederum guckt ein bisschen böse.

00:46:33: Er guckt schon so ein bisschen konzentrierter, was vielleicht daran liegen kann, dass das Leben in der Einödelablands unfassbar hart für die Sami ist.

00:46:42: Es gibt kein fließend Wasser und kein Strom.

00:46:45: Und damit zum Beispiel Esther auch irgendwie ihre Texte über das Leben der Sami an das schwedische Tagesblatt schicken kann, muss sie teilweise mehr als dreißig Kilometer auf Skiern zurücklegen.

00:46:57: Und doch scheint Esther fern von aller Zivilisation ihren Herzensplatz gefunden zu haben.

00:47:04: In einem Brief an ihre Schwiegerin schreibt sie, Wo der Kaffee in der Kanne, die an einem Haken über dem Feuer hängt, herrlich und kräftig duftet und man gesalzene Forelle und über dem Feuer gebackenes Brot

00:47:31: ist.

00:47:32: Das klingt ganz fantastisch.

00:47:34: Irgendwie klingt das, als würde ich da jetzt auch sein wollen.

00:47:37: Ja, ich glaube, es ist trotzdem viel härter, als man aus diesem Text jetzt heraus hört.

00:47:42: Aber Esther mag ja auch diese wahnsinnig existenziellen Erfahrungen.

00:47:48: Es gibt ja einfach so Leute, ne?

00:47:49: Ich hab das Gefühl, wenn wir super kaos sind vom Job, dann tut uns so ein Sofa ganz gut mit einer Wärmflasche und einem Tee.

00:47:57: Und es gibt dann aber Menschen, die in Flin so ihrem anstrengenden Alltag, indem sie ein Ironman laufen oder zwei Monate durch die Wüste laufen wollen.

00:48:08: Also,

00:48:08: was ich nie vergessen werde, ich bin einmal den Zeitkanteil, ich glaub, so heißt er.

00:48:12: Verzeiht mir, wenn er nicht so heißt, Track gelaufen.

00:48:15: Das ist ein Weg zum Machu Picchu.

00:48:17: Den wandert man jeden Tag.

00:48:18: Zehn Stunden auf extrem Höhenmetern.

00:48:21: Unglaublich anstrengend.

00:48:22: Ich weiß bis heute nicht, wie ich das geschafft habe.

00:48:25: Ich bin in einstündigen Abständen zum Rest der Gruppe gelaufen und nur so getaumelt.

00:48:30: Aber meine Gruppe bestand hauptsächlich aus Beratern.

00:48:35: Aus Leuten, die einen unglaublich anstrengenden Job haben.

00:48:38: und die sich in ihrem Urlaub nichts Besseres vorstellen konnten, als fünf Tage durchzuwandern.

00:48:44: Die sind am letzten Tag auf dem Machu Picchu gewandert und dann wieder nach Hause geflogen und ich war so, wie erholt ihr euch?

00:48:51: Also, das passt nicht für mich zusammen.

00:48:55: Ja, ich weiß auch nicht, warum das so ist, aber bei Esther ist das auch ein bisschen ähnlich.

00:48:58: Also, sie merkt, wenn sie in ihrem Redaktionsalltag in Stockholm rum sitzt, dann fühlt sie sich nicht so frei und ... So voller Leben wie jetzt hier in der eisigen Kälte im Norden von Skandinavien.

00:49:12: Und durch ihre lebendigen Reportagen über genau das Leben, was sie gerade führt, ist Esther in Stockholm mal wieder an aller Munde.

00:49:20: Nur weiß Esther davon nichts.

00:49:23: Die Welt außerhalb von Eis und Schnee ist für sie längst zu einem fernen Rauschen geworden.

00:49:29: Deswegen fällt ihr die Rückkehr nach Stockholm auch jetzt besonders schwer.

00:49:34: In der Abgeschiedenheit hat sie sich frei gefühlt.

00:49:37: In der Redaktion sind die Beklemmungsgefühle zurück.

00:49:42: Mit Mitte zwanzig ist Esther jetzt auf dem Höhepunkt ihrer journalistischen Karriere.

00:49:48: Sie schreibt jetzt für verschiedene Zeitungen, berichtet über die Hungerstnot der finnischen Bevölkerung während des Ersten Weltkriegs und hat international erfolgreiche Bücher veröffentlicht.

00:49:58: Nur wirklich glücklich ist sie noch nicht.

00:50:02: Ja,

00:50:04: das Schreiben bringt ihr in dieser Zeit einfach keine Freude mehr.

00:50:08: Ich weiß gar nicht, ob man das so von außen dann so nachvollziehen kann.

00:50:11: Aber sie hat so wahnsinnig viel Erfolg, dass alle immer erwarten, dass sie die ganze Zeit glücklich ist.

00:50:17: Und sie hat selber wahrscheinlich auch superkrasse Erwartungen an sich selbst, dass sie einen Erfolg nach dem nächsten fabriziert.

00:50:24: Sie hat irgendwie vergessen, so richtig zu leben.

00:50:27: Und es ist so, dass sie manchmal merkt, dass sich ihr ganzes Leben einfach ... Taub anfühlt.

00:50:32: Ja, das Gefühl kenne ich leider auch, wenn alles so schnell passiert, dass du vergisst, richtig zu genießen.

00:50:40: Wochenlang überlegt Esther jetzt hin und her.

00:50:44: Will sie wirklich weiter als Journalistin arbeiten?

00:50:48: Oder

00:50:49: soll sie doch noch mal einen ganz anderen Weg einschlagen?

00:50:52: Was soll sie jetzt mit ihrem restlichen Leben anfangen?

00:50:54: Immerhin ist sie gerade mal siebenundzwanzig Jahre alt.

00:50:58: Und ich glaube, diese Frage, die stellen sich ja ganz viele Menschen, auch gerade vielleicht so mit Ende zwanzig, wo man schon mehrere Jahre in seinem Job gearbeitet hat, wo man sich fragt, soll ich noch mal komplett neu einsteigen in irgendwas, neu studieren, quer einsteigen oder was ganz anderes machen, noch mal reisen gehen.

00:51:16: Was ist eigentlich meine Passion?

00:51:18: Wo will ich mich hinentwickeln?

00:51:21: Und auch Esther fragt sich das mal wieder.

00:51:23: und beschließt jetzt, sich in ihrem Schreiben nicht nur dem Leben anderer zu widmen, sondern auch ihrem Eigenem.

00:51:33: Sie fängt jetzt an, etwas ganz Neues zu schreiben und arbeitet an einem

00:51:37: Kinderbuch.

00:51:39: Oh.

00:51:40: Und zwar über ein wildes, ungezähmtes Mädchen namens Anne-Marie, das sich weigert, nach den Vorstellungen der Gesellschaft zu leben.

00:51:50: Ist das vielleicht ein bisschen von ihr selbst inspiriert?

00:51:53: Das ist ziemlich genau ihr eigenes Leben, was sie gerne auch als kleines Kind schon gelesen hätte.

00:51:59: Also sie denkt drüber nach, welche Kinderbücher gibt's eigentlich noch nicht?

00:52:02: Hm, ja, von Mädchen, die stark sind.

00:52:05: Und was hätte ich gerne als Kind gelesen?

00:52:08: Aber ich dachte gerade, dass du eh an was anderes denkst.

00:52:10: Nicht an sie selbst, sondern ...

00:52:12: Ja.

00:52:13: Und natürlich Pipi Langstrumpf.

00:52:16: Ja.

00:52:16: Also, man kann davon ausgehen, dass Pipi Langstrumpf nicht genau in der gleichen Form existieren würde.

00:52:22: hätte es nicht auch schon das Buch von Esther über Anne-Marie gegeben.

00:52:26: Es gibt nämlich auch Belege, dass Astrid Lindgren das Verschlungen hat später.

00:52:31: Die Geschichte von Anne-Marie ist eine offizielle, fiktive Geschichte und mit dieser Geschichte hat Esther ihrer eigenen Kindheit ein Denkmal gesetzt.

00:52:42: Und deswegen müssen wir uns jetzt auch nochmal anschauen, wie Esther's Kindheit dann überhaupt war.

00:52:51: Esther wächst in einem majestätischen, beißgestrichenem Haus auf mit glänzendem Kupferdach, der sogenannten Villa Obifurt.

00:53:00: Ah, da haben wir doch unsere Villa-Kunterbund.

00:53:04: Also fast, du hast mir nämlich grad ein Bild mitgebracht.

00:53:08: Und so anders, finde ich, sieht dieses Haus gar nicht aus.

00:53:12: Es ist schon sehr verwinkelt und riesig.

00:53:14: vor allem und was auch das Haus auszeichnet, ist ein wahnsinnig großer Weiterwald, der sich hinter dem Haus erstreckt und neben dem Haus plätschert ein Bach.

00:53:26: Hier fühlt sich Esther frei.

00:53:28: Jeden Morgen, als sie aufgeregt die Treppe hinunter, drückt den schweren Messinggriff der Haustür und verschwindet in der Natur.

00:53:36: Esther beobachtet hier Tiere, rast auf ihrem Laufrad durch die Gegend, oder rudert in einem kleinen Holzboot auf dem nagelegenem See.

00:53:44: Da hatte sie dann aber doch eine ziemlich Pipilangstrumpfkindheit.

00:53:48: Und ich muss sagen, meine Kindheit war auch sehr ähnlich.

00:53:51: Ich hab ja, also da war ich noch sehr klein, aber meine Eltern haben in Schweden gewohnt, während ich, glaub ich, so ein bis drei Jahre alt war.

00:53:59: Und wir hatten auch ein ähnliches Haus mitten in der Natur auf der kleinen Insel Lidingö vor Stockholm.

00:54:06: Und man war immer ganz viel in der Natur, ganz viel draußen.

00:54:09: Und die schwedische Natur ist ja auch so besonders.

00:54:11: Da hast du immer einen Reh im Garten stehen.

00:54:14: Da gehst du im Sommer Blaubern sammeln.

00:54:17: Da gehst du im See baden.

00:54:19: Da passiert so viel, was einfach als Kind ganz, ganz viel Spaß macht.

00:54:24: Das klingt so schön.

00:54:25: Also, es klingt, glaub ich, wie der tollste Kindertraum aller Zeiten.

00:54:29: Ja.

00:54:30: Und das lebt halt auch Esther komplett aus, also meistens sehen ihre Eltern sie erst am Abend wieder, wenn Esther mit schmutzigen Kleidern nach Hause kommt.

00:54:40: Dann bammeln ihre rötlichen Zöpfe nur noch Lose an dem Kopf und auf ihre Nase sprießen unzählige neue Sommersprossen.

00:54:48: Moment, sie hatte rötliche Haare auch noch und Zöpfe?

00:54:53: Mhm.

00:54:55: Esther spürt auch schon von klein auf, dass sie nicht das Leben führen möchte, das die Gesellschaft von ihr erwartet.

00:55:01: Ihre Familie ist sehr wohlhabend.

00:55:03: Die Geschäfte ihres Vaters, ein Malermeister, laufen so gut, dass sich die Familie nicht nur ein Haus in Stockholm, sondern auch die Welle auf dem Land leisten kann.

00:55:13: Esther ist kein braves zurückhaltendes Mädchen, sondern neugierig, voller Energie.

00:55:18: Ein Kind, das nicht still sitzen kann, sondern immer auf der Suche nach neuen Abenteuern ist.

00:55:25: Sie liebt es, andere Leute auf den Arm zu nehmen und sagt über sich selbst, dass sie, Zitat, ein ganz schreckliches Kind war und immer damit gerechnet hat, für ein ihrer zahlreichen Streiche bestraft zu werden.

00:55:38: Das liebe ich, ja.

00:55:41: Und genauso wie sie geht es auch der Protagonistin von ihrem Kinderbuch.

00:55:47: Anne-Marie hasst es, in steife Rühschenkleider gesteckt zu werden.

00:55:51: Anne-Marie macht auch immer wieder so kleine Streiche.

00:55:54: Sie schmiert Frauen-Honig in die Haare oder segelt mit einem Regenschirm vom Dach.

00:56:00: Anne-Marie ist rebellisch, meugierig und träumt von einem unabhängigen Leben, genau wie Esther.

00:56:06: Mit ihrer Figur trifft Esther genau den nervten Zeit.

00:56:11: Wir befinden uns mittlerweile im Jahr nineteenhundert neunzehn.

00:56:15: Frauen über dreißig dürfen jetzt gerade mittlerweile wählen.

00:56:20: Und Anne-Marie wird zu gefeierten Heldin einer neuen schwedischen Generation, zu der auch die Schriftstellerin Astrid Lindgren gehörte.

00:56:30: Moment, das heißt Astrid Lindgren kannte die Bücher?

00:56:33: Ja, als Astrid Lindgren ungefähr elf, zwölf Jahre alt war.

00:56:38: ist das erste Kinderbuch erschienen und war ja auch ein Riesenerfolg.

00:56:42: und Astrid Lindgren sagt selber, dass sie so ziemlich jedes Buch verschlungen hat, das in ihrer Bibliothek zu finden war.

00:56:51: Und jeder kannte in dieser Zeit die Figur Ann-Marie.

00:56:54: und man muss ja auch sagen, Ann-Marie und Pippi Langstrumpf ähneln sich von dem Stil und von bestimmten Eigenschaften dann doch sehr, sehr stark.

00:57:05: Im Buch wird Pippi Langstrumpf übrigens so beschrieben.

00:57:09: Iha hatte dieselbe Farbe wie eine Möhre und war in zwei fester Zöpfe geflochten, die vom Kopf abstanden.

00:57:16: Ihre Nase hatte dieselbe Form wie eine ganz kleine Kartoffel und war völlig mit Sommersprossen übersät.

00:57:23: Genau wie Esther.

00:57:25: Das finde ich so faszinierend, weil ich wusste überhaupt nicht, dass Astrid Lindgren sich da inspirieren lassen hat.

00:57:31: Aber das finde ich so eine richtig coole Geschichte, die ich Leuten immer erzählen kann.

00:57:35: Wusstet ihr eigentlich, dass es eine echte Pipi Langstrumpf gibt?

00:57:40: Ich meine, es ist ja eh so.

00:57:42: Auch beispielsweise Harry Potter oder Fantasy Bücher gäbe es in dieser Form höchstwahrscheinlich niemals, wenn es nicht so etwas wie Tolkien vorgegeben hätte mit Herr der Ringe, wo ganz viele Figuren jetzt zum ersten Mal entstanden sind.

00:57:56: Das muss ja erst mal entstehen, damit du es auch in weiteren Fantasy-Geschichten weitererzählen kannst.

00:58:01: Und

00:58:01: Tolkien wiederum hat sich auch ganz viel von... Geschichten aus der Mythologie inspirieren lassen.

00:58:08: Also es ist wirklich faszinierend, dass wenn du anfängst, dich mit irgendwie der Geschichte der Magie zu beschäftigen, wie viel auch in diesen ganzen Geschichten irgendwo geklaut wurde.

00:58:17: Der Stein der Weisen ist ein Mythos, den es schon seit Jahrhunderten gibt.

00:58:23: Also das ist ja ganz normal, dass überall immer wieder so ein bisschen geklaut wird.

00:58:27: Ich habe mal diesen sehr schönen Spruch aber auch gelesen.

00:58:29: dass jeder auch immer so ein bisschen Angst davor hat, wenn eine Schriftstellerin im Raum ist.

00:58:34: Weil

00:58:35: eine Schriftstellerin oder ein Schriftsteller klaut sich überall ein bisschen was.

00:58:39: Das heißt, wenn du am Küchentisch sitzt und es gibt einen Streit, dann merkt sich die Schriftstellerin und denkt sich, das pack ich in mein Buch.

00:58:45: Dieser Konflikt, den fand ich spannend.

00:58:48: Ja, es ist schon gefährlich, wenn so jemand in der Familie existieren würde.

00:58:52: Und deswegen kann man auch davon ausgehen, dass Astrid Lindgren sich von Anne-Marie hat sehr inspirieren lassen.

00:58:59: Eine Wissenschaftlerin beispielsweise, die diese Verbindung zwischen Anne-Marie und Pippi Langstrumpf untersucht hat, sagt, dass sie Astrid Lindgren jetzt nicht von ihrem Sockel stoßen möchte, aber dass sie ihre geliebten Figuren nicht in einem Barcom erschaffen hat.

00:59:16: Ich finde, das macht es ja auch nicht weniger toll, die Geschichten.

00:59:19: Also so ein bisschen Inspiration da und da holen ist doch vollkommen in Ordnung.

00:59:24: Und nicht nur die Wissenschaftlerin hat die Verbindung zwischen Anne-Marie und Pippi Langstrumpf untersucht.

00:59:31: Auch die schwedische Journalistin Fatima Bremer hat sich mit den beiden Figuren und der Beziehung zwischen Astrid Lindgren und Esther Nordström auseinandergesetzt.

00:59:41: Lind, ich erzähle dir später noch ein bisschen mehr zu Fatima.

00:59:45: Aber hier hören wir jetzt schon mal von ihr, welche parallelen Fatima zwischen den Figuren und zwischen den Autoren gefunden hat.

00:59:56: Pipi Langstrumpf und die Figur Anne Marie, geschrieben von Esther Blender Nordström, sind sich in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich,

01:00:04: sowohl

01:00:04: in ihrer Persönlichkeit als auch in den Streichen, die sie spielen.

01:00:09: Beide sind sehr warmherzig und neugierig und interessieren sich für andere Menschen.

01:00:14: Sie sehen Menschen so, wie sie sind.

01:00:16: Es ist ihnen egal, woher jemand kommt oder ob er reich oder arm ist.

01:00:22: Es gibt ganz offensichtliche Ähnlichkeiten in ihrer Persönlichkeit.

01:00:26: Das zeigt sich auch an den Streichen, die Anne-Marie und Pippi Langstrumpf in den Büchern spielen.

01:00:32: Zum Beispiel beim Reiten auf einem Pferd oder bei auftrittenem Zirkus.

01:00:37: Es ist einfach dasselbe.

01:00:39: Es ist also ganz offensichtlich, dass Astrid Lindgren von Anne-Marie inspiriert war.

01:00:52: Tatsächlich hat mich die Familie von Astrid Lindgren kontaktiert, als mein Buch über Esther Blender Nordström veröffentlicht wurde.

01:01:02: Sie haben mir ein Brief von Astrid Lindgren gezeigt, in dem sie einem Schüler antwortete, der ihr geschrieben und nach diesen Parallelen gefragt hatte.

01:01:12: In ihrer Antwort aus dem Jahr nineteenhundertsehnehundertsebendzig schreibt Astrid Lindgren, dass sie von der Figur Anne-Marie und den Büchern von Esther Blender Nordström inspiriert worden sei und dass sie diese sehr mochte.

01:01:30: Jetzt können wir uns also sicher sein.

01:01:32: Und an Inspiration ist absolut nichts auszusetzen.

01:01:36: Es

01:01:36: ändert nichts an Astrid Lindgrens Figuren und an der Spannung und Wärme ihrer Bücher.

01:01:45: Esther Blender Nordström selbst hatte als Kind Probleme mit Regeln und Autoritäten und wollte immer alles auf ihre eigene Weise ausprobieren, was ihr ständig Ärger einprachte.

01:01:59: Mit dreizehn Jahren wurde sie sogar von zu Hause weggeschickt, weil ihre Eltern es für zu schwierig hielten, sie zu erziehen.

01:02:06: Auch in dieser Hinsicht gibt es viele Parallelen.

01:02:09: Das ist interessant.

01:02:16: Heute, wo wir so viel mehr über Esther Blender Nordström wissen, können wir sie mit einer Figur wie Pippi Langstrumpf und dem, wofür sie steht, vergleichen.

01:02:24: Man sieht, dass beide sehr modern sind.

01:02:27: Ebenso wie natürlich die Figur Anne-Marie.

01:02:32: Sie sind modern, subversiv und offen, hatten keine Angst, ihre Meinung zu sagen, neue Dinge auszuprobieren und alte Regeln abzulehnen.

01:02:48: Es gibt auch eine Art Verbindung zwischen den Familien von Astrid Lindgren und Esther Blender Nordström.

01:02:54: Beide wurden in Smorland in Schweden geboren und wuchsen auf dem Land auf.

01:03:01: Und die Familien lebten nicht weit voneinander entfernt.

01:03:07: Tatsächlich waren Mitglieder der Familien sogar einmal miteinander verheiratet.

01:03:12: Wir wissen es nicht genau, aber wahrscheinlich haben sie sich bei Familienfeiern und ähnlichen Anlässen getroffen.

01:03:19: Es ist durchaus möglich, dass dies irgendwann geschehen

01:03:21: ist.

01:03:24: Boah, das ist ja so spannend, weil dann kann man wirklich sagen, dass Esther die echte Pipi Langstrumpf ist.

01:03:31: Und Esther kann nicht nur gut über rebellische wilde Mädchen schreiben, sie ist ja auch noch selbst eins davon.

01:03:37: Und da ist jetzt auch bei ihr wieder dieser Drang, der sie hinaus in die Welt zieht.

01:03:42: Ein Drang so stark, dass Esther ihm nicht lange widerstehen kann.

01:03:46: Und Lin, damit wir jetzt auch nicht den Rahmen dieser Folge sprengen, es gäbe noch so unglaublich viel, was ich dir zu Esther erzählen könnte.

01:03:55: Also dieses Skript hatte auch mal ... Dreißig Seiten mehr gefühlt.

01:03:59: Vielleicht

01:03:59: machen wir irgendwann Esther zwei Punkt Null, die zweite Folge.

01:04:03: Ja,

01:04:04: deswegen gebe ich dir jetzt hier nur mal kurz eine Zusammenfassung, was Esther in den nächsten fünf Jahren noch erlebt.

01:04:11: Gemeinsam mit einer anderen schwedischen Auswandererin reist sie auf einem gigantischen Ozeandampfer nach Amerika, um über die Ankunft in einem fremden Land zu berichten, weil das ja auch in der Zeit sehr viele Menschen durchleben.

01:04:23: Außerdem überquert sie auch die Anden auf dem Rücken eines Maultiers und fährt mit dem Motorrad durch Schweden und beobachtet Stierkämpfe in Spanien.

01:04:33: Es das Sehnsucht nach der weiten Welt kennt keine Grenzen.

01:04:37: Und doch gibt es eine Person, deren Bild sie auf jeder Reise bei sich trägt und zu der sie immer wieder zurückkehrt.

01:04:46: Karin.

01:04:47: Karin hat sich mittlerweile von ihrem Ehemann scheiden lassen und begleitet Esther jetzt auf eine lange Reise.

01:04:54: Über New York, San Francisco und Hawaii reisen sie nach Japan.

01:04:59: Seite an Seite erkunden sie fünf Monate das fremde Land.

01:05:04: Sie schlendern bei heißen Temperaturen durch Tokyo und Kyoto, fahren mit dem Zug in ländliche Gebiete und übernachten in einem atemberaubenden Tempel in den Bergen.

01:05:14: Sie lauschen den Klängen der Priester am frühen Morgen, den rhythmischen Melodien der Trommeln und entzünden süßlich duftenden Weihrauch vor einer glänzenden Buddha-Statur.

01:05:25: Die Erlebnisse berühren Esther und Karen tief.

01:05:28: Und doch ist die Stimmung zwischen den beiden gedrückt.

01:05:32: Sie wissen, dass der Abschied mit jedem Tag näher rückt, denn am Ende ihrer Reise werden sich ihre Wege trennen.

01:05:40: Karen wird zurück nach Schweden reisen.

01:05:43: während Esther zu ihrem ultimativen Abenteuer aufbricht, zum anderen Ende der Welt.

01:05:49: Wo will sie denn jetzt schon wieder hin?

01:05:52: Esther will auf einer abgelegenen Halbinsel reisen und dort leben, nämlich neun Zeitzonen und sechstausend Meilen östlich von Moskau.

01:06:04: Das Dorf liegt am Fuß eines sehr aktiven Vulkanens, Und es gibt keine Straßen oder Autos, dafür aber brutale Schneestürme, Bern und Wölfe.

01:06:15: Zwei Jahre will sie dort leben, recherchieren und ums Überleben kämpfen.

01:06:21: Also du merkst, sie sucht wirklich immer das komplette Extrem.

01:06:24: Wow.

01:06:24: Und sie macht das auch nicht alleine, sondern dann mit ihrem Ehemann.

01:06:30: Was für ein Ehemann denn jetzt?

01:06:33: Ja, du bist völlig zurecht etwas verdutzt, weil sie wollte ja eigentlich nie heiraten.

01:06:38: Und ich dachte auch, wenn, dass sie eher eine Frau heiratet, ehrlich gesagt.

01:06:42: Das geht ja nicht.

01:06:44: Also es geht einfach nicht in der Zeit.

01:06:45: Es ist halt noch nie passiert und es wird nicht erlaubt, noch nicht mal mehr eine Beziehung unverheiratet in der Frau führen, wäre irgendwie geduldet.

01:06:54: Und für Esther an erster Stelle stehen immer ihre Abenteuer.

01:06:59: Und als jetzt erfährt, dass der gefeierte Insektenforscher René Malès eine mehrjährige Expedition auf die abgelegene Insel Kamchatka plant, kann sich Esther nichts Größeres vorstellen.

01:07:14: Das Problem ist nur, an der Expedition dürfen nur Männer teilnehmen, die einzige Ausnahme bilden Ehefrauen.

01:07:23: Und nachdem Esther sich jetzt also jahrelang gegen eine Ehe gesperrt hat, Will sie genau das?

01:07:29: Weil sie diese Expedition mitmachen will?

01:07:31: Nein!

01:07:33: Das finde ich so geil.

01:07:35: Also oh mein Gott, es ist so Wahnsinn, dass sie sagt, ja gut, wenn es eine Notwendigkeit ist, zu heiraten, damit ich da mehrere herausfinden kann, dann mach ich das halt.

01:07:43: Ich finde es auch so genial und ich finde, es ist die einzig logische Konsequenz aus Estas Leben.

01:07:48: Also alles andere, so eine romantische Hochzeit mit irgendeinem Mann und dann hört sie irgendwie auf, in Abenteuer nachzugehen, hätte nicht zu ihr gepasst.

01:07:57: Sie will nur René heiraten, um die Expedition als Ehefrau und Fotografin dann begleiten zu dürfen.

01:08:05: Tatsächlich kann sie den Forscher jetzt auch davon überzeugen, sie zu heiraten.

01:08:10: Doch während der Forscher René auf eine echte Ehe hofft, ist er für Esther nur Mittel zum Zweck.

01:08:16: Kurz vor ihrer Abfahrt nach Kamchatka verspricht sie Karin hoch und heilig, dass der einzige Grund für die Ehe die Expedition sei.

01:08:26: Esther bezieht jetzt kurz nach ihrer Ankunft in Kamchatka das kleinste Zimmer im Kagenhaus.

01:08:32: Darin befinden sich ein Bett und ein kleiner Schreibtisch.

01:08:35: Darauf steht ein Porträt von Karin.

01:08:39: Die Tage in Kamchatka sind hart.

01:08:42: Und dann ist dann noch die Nachricht, die Esther einige Wochen nach ihrer Ankunft erhält.

01:08:46: Darin steht, auch

01:08:48: Karen

01:08:49: hat erneut geheiratet.

01:08:51: Kurz darauf berichtet Esther an ihrem Tagebuch von Fieber, von Magenproblemen und Schmerzen.

01:08:58: An manchen Tagen ist sie so schwach, dass sie ihn nicht einmal das Bett verlassen kann.

01:09:03: Esther steht vor dem Abgrund, ihr Lebensfunk erlischt.

01:09:07: Um das Leben in der Schneebedeckten einöde und ihren Herzschmerz zu überstehen, trinkt sie mit den anderen Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohnern jede Menge selbstgebrannten Wodka.

01:09:19: Nach ihrer Rückkehr aus Kamchatka zieht sich Esther aus der Öffentlichkeit zurück.

01:09:24: Auf einer abgelegenen Farm bewirtschaftet sie Felder und ihren Garten.

01:09:28: Sie schreibt Bücher und macht Musik.

01:09:30: Die Abende verbringt sie nicht in Kneipen, sondern mit ihrem Schwein Jakob.

01:09:35: Sie hat ein Schwein?

01:09:37: Oh mein Gott, sie ist wirklich Pipi Langstrumpf.

01:09:39: Wirklich.

01:09:42: Sie sagt, sie sei wahnsinnig glücklich, aber etwas stimmt nicht.

01:09:47: Durch ihren jahrelangen Alkoholkonsum in Verbindung mit Berührungsmitteln verschlechtert sich ihre Gesundheit rapide.

01:09:54: Im Januar, die Jannuart, erleitet sie mit nur sechsundvierzig Jahren

01:10:01: einen Schlaganfall.

01:10:03: Danach sind ihr linker Arm und ihre linke Hand gelähmt.

01:10:07: Esther kann nicht mehr schreiben.

01:10:10: Karen zieht jetzt zu ihr.

01:10:12: Sie pflegt sie, sie kocht ihr Essen und berichtet Esthers Bruder über ihren gesundheitlichen Zustand.

01:10:18: Irgendwie fühlen das Karen dann doch noch zu ihr zurückkehrt.

01:10:22: Ja, man muss sagen, das macht sie auch aus einem Grund, weil sie schreibt zum Beispiel in einem dieser Briefe an Esthers Bruder Folgendes.

01:10:31: Ich muss mich bei Esther für die glücklichsten Momente meines Lebens bedanken.

01:10:35: und werde diese Schuld niemals zurückzahlen können.

01:10:39: Also, sie fühlt sich schuldig, weil das ja auch so sehr aufeinanderfolgend passiert ist.

01:10:46: Also, sie hat neu geheiratet und Estas erkrankt und hat angefangen zu trinken.

01:10:51: Also, Karen hat das Gefühl, das ist durch diese Trennung oder diese neue Person in ihrem Leben ausgelöst worden.

01:11:00: Auf allem der letzten Urlaubsfotos sitzen die beiden zusammen auf Estas Veranda.

01:11:06: Ihre Haare sind grau, die besten Jahre vorüber.

01:11:09: Und doch haben sie immer noch sich.

01:11:13: Auch dieses Foto-Lin habe ich dir noch mitgebracht.

01:11:15: Es ist eins der allerletzten Fotos von

01:11:19: Esther.

01:11:20: Das finde ich aber total schön, wie diese beiden Frauen zusammen auf der Veranda sitzen mit ihren Sonnenhüten, dahinter ein Hund,

01:11:27: zwei sogar.

01:11:28: Und hat sie noch einen Hund in der Hand?

01:11:30: Oder was hat sie da in der Hand?

01:11:32: Oh, das erkenne ich sogar gar nicht, was das ist.

01:11:34: Aber ja, es könnte ein Hühnchen, also ein Hund sein.

01:11:38: Auf

01:11:39: jeden Fall leben sie ihr bestes Bauernhofleben.

01:11:42: Aber innerlich, also körperlich, geht es Esther schon nicht mehr gut.

01:11:47: Am fünfzehnten Oktober, in der Stokholmer Klinik stirbt Esther mit sieben und fünfzig Jahren an den Folgen einer Lungenzündung.

01:11:57: Nach dem Tod gerät Esther Blender Nordström erstmal in Vergessenheit.

01:12:03: Ihre Reportagen verstauben in Archiven, die einbände ihrer Bücher verblassen,

01:12:08: bis

01:12:09: sie eine andere junge Journalistin, fünfundsechzig Jahre später wieder zum Leben erweckt.

01:12:16: Diese Journalistin ist die Nachrichtschefin im Kulturresort des schwedischen Tagesblatt.

01:12:21: Ist das nicht die Zeitung, wo Esther auch gearbeitet hat?

01:12:25: Genau das ist die Zeitung.

01:12:27: Hier hat eine Kulturjournalistin namens Fatima Brenner in den Archiven den Namen Esther entdeckt und ist dann über immer mehr Artikel von ihr gestolpert und über die revolutionären Undercover-Reportagen.

01:12:42: Das ist natürlich wunderschön, dass eigentlich auch eine andere Frau in der gleichen Zeitung jetzt ihre Geschichte wieder ans Licht

01:12:49: bringt.

01:12:50: Und damit kommen wir auch zum Ende dieser Folge und dieser Geschichte.

01:12:54: Denn das wir diese Geschichte überhaupt erzählen konnten, ist auch nicht nur Esther selbst zu verdanken, sondern Fatima zu verdanken.

01:13:03: Denn vier Jahre lang hat sich dann die Kulturjournalistin Fatima komplett in Esther's Leben eingegraben.

01:13:11: Sie hat mit noch lebenden Verwandten gesprochen, sie hat Unmengen an privaten Briefen gesichtet und ist auch in Esther's Bücher eingetaucht.

01:13:19: Und sie beschließt am Ende ihrer mutigen Kollegin ein Buch zu widmen.

01:13:42: Und deswegen bin ich umso glücklicher, dass wir heute auch ihre Geschichte erzählen konnten.

01:13:48: Weil so viele Menschen einfach nicht nur Pipi Langstrumpf kennen sollten, sondern auch die wahre Pipilangstrumpf, die wahre, unglaublich starke, wilde

01:13:59: Esther

01:14:00: Blender Nordström.

01:14:02: Oh, danke, dass du diese Geschichte mitgebracht hast.

01:14:04: Ich glaube, das ist jetzt unsere Aufgabe, meine und all der anderen Leute, die zugehört haben, dass wir diese Geschichte ein bisschen mehr in die Welt tragen sollten und dass ich Bald meiner Familie erzähle und auch vielleicht, wenn ich irgendwann mein Kind habe, dann muss auf jeden Fall diesem Kind auch die Geschichte der wahren Pipi Langstrumpf erzählt werden.

01:14:24: Ich muss mir diese Kinderbücher mal von Esther anschauen.

01:14:28: Ich find das auch so süß.

01:14:29: Ich hab eh das Gefühl, ganz oft erzählen wir hier bei True Love die wahren Geschichten, sodass Leute so richtig angeberisch, wenn ein Film im Fernsehen Leute sagen können, Leute, das ist ja die fiktionale Version, aber ihr wisst ja eigentlich, dass das auch in Wirklichkeit existiert.

01:14:44: Und so und so war und das und das abweicht.

01:14:47: Also wir geben euch hier wirklich die Portion Hintergrundwissen, damit ihr als die kulturell gebildetesten Menschen überhaupt strotzen könnt.

01:14:55: Und das könnt ihr jetzt auch bei Bibi Langstrumpf machen.

01:14:57: Also wenn das nächste Mal irgendwie eure Kinder oder ein Weihnachten oder eure Freunde irgendwer für die Langstrumpf schaut, können wir alle jetzt von Esther erzählen.

01:15:06: Wir haben schon mal so ganz kurz angeteased, aber ich werde in der nächsten Folge True Love die Geschichte von Astrid Lindgren erzählen.

01:15:14: Und sehr gutes Timing, würde ich mal sagen, weil gestern ist ein neuer Film zur Astrid Lindgrens Geschichte in die Kinos gekommen.

01:15:21: Er heißt Astrid Lindgren.

01:15:23: Die Menschheit hat den Verstand verloren und erzählt dokumentarisch aus Astrid's Tagebüchern während des Kriegs und gibt ganz persönliche Einblicke in ihr Leben und ihre Familie.

01:15:32: Also so ein kleiner Leos-Tipp oder hier Lindtipp, obwohl wir bei True Love... Und dann hört doch in zwei Wochen wieder rein, wenn ich euch die wahre Geschichte von Astrid Lindgren

01:15:40: erzähle.

01:15:41: Danke Leo, dass du diese Geschichte mitgebracht hast.

01:15:44: Also mein Kindheits-Ich hat sich riesig gefreut und mein jetziges Ich natürlich auch.

01:15:50: Ja und damit würde ich sagen, schließen wir doch mit ein paar Sätzen, die zwar Pipi Langstroms gesagt hat, aber die wahrscheinlich auch von Esther kommen könnten.

01:15:59: Denn warte nicht darauf, dass die Menschen dich anlächeln, zeige ihnen, wie es geht.

01:16:04: Pipi Langstroms

01:16:05: Spruch.

01:16:06: Und ich hab grad noch von Pipi den Satz gefunden.

01:16:08: Am besten, ihr geht jetzt nach Hause, damit ihr morgen wiederkommen könnt.

01:16:11: Denn wenn ihr nicht nach Hause geht, könnt ihr ja nicht wiederkommen.

01:16:14: Und das wäre schade.

01:16:15: Und das, liebe Lovis, gilt jetzt auch für euch.

01:16:18: Ich hoffe, ihr kommt wieder.

01:16:19: Bis dann.

01:16:19: Wir haben euch lieb!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.