Buchen Sie jetzt über Seven.One Audio eine Host Read Ad, gesprochen von Linn und Leo

https://www.seven.one/portfolio/sevenone-audio ">Mehr Informationen finden Sie hier!

#52 Titanic: Ihre letzte Reise

Shownotes

Jeder von uns kennt die Liebesgeschichte der Titanic: Jack und Rose. Aber kaum jemand weiß, welche große, wahre Liebesgeschichte sich in Wirklichkeit auf dem Schiff abgespielt hat. Obwohl in New York bis heute Gedenktafeln an Ida und Isidor Straus erinnern, ist ihr Name den meisten völlig unbekannt. Dabei galten die beiden zu Lebzeiten als eines der beliebtesten und angesehensten Paare der USA.

In dieser Folge schauen wir auf eine der bewegendsten Liebesgeschichten des vergangenen Jahrhunderts. Wir tauchen ein in das Leben des Ehepaars, das in Deutschland beginnt und auf dem Deck der Titanic zu enden droht.

Eine Produktion von Auf Ex Productions. Hosts: Leonie Bartsch & Linn Schütze Recherche: Anna Busse Redaktion: Antonia Fischer Produktion: Lorenz Schütze Experte: Malte Fiebing-Petersen, Vorsitzender des Deutschen Titanic-Vereins

Quellen (Auswahl)

Buch "A Titanic Love Story: Ida and Isidor Straus" von June Hall McCash Website Straus Historical Society Artikel Der Spiegel Artikel ARD

Hintergrundinformationen, Bilder und Videos findet ihr auf unserem Instagram- oder TikTok-Kanal @true.lovepodcast. Oder auf unseren privaten Profilen @leonie_bartsch und @linnschuetze.

Wir würden uns riesig freuen, wenn ihr den Podcast bewertet und teilt. Haben euch lieb & bis in zwei Wochen!

Du möchtest mehr über unsere Werbepartner erfahren? Hier findest du alle Infos & Rabatte!: https://linktr.ee/truelove_podcast

Du möchtest Werbung in diesem Podcast schalten? Dann erfahre hier mehr über die Werbemöglichkeiten bei Seven.One Audio: https://www.seven.one/portfolio/sevenone-audio

Transkript anzeigen

00:00:07: How can you tell what it really feels like?

00:00:07: I've been in love several times before.

00:00:10: And each time I thought I found my prince

00:00:13: charming.

00:00:25: Und herzlich willkommen zu True Love.

00:00:39: Ich bin kurz davor, ho, ho, ho, zu sagen, weil ich bin ein bisschen in Weihnachtsfeeling, Leo.

00:00:43: Und damit ho, ho, ho, herzlich willkommen.

00:00:46: Schön, dass ihr dabei seid.

00:00:47: Ja, ich bin auch ein bisschen in Weihnachtsfeeling.

00:00:49: Und ich finde, dieser Podcast gibt mir auch noch mehr Weihnachtsfeeling, weil das ist ja eh so eine Jahreszeit, wenn es draußen so dunkel ist.

00:00:57: Also, alles hat ein Ziel, Gemütlichkeit.

00:00:59: Weil man muss die Kälte und die Dunkelheit von draußen drinnen ausgleichen.

00:01:04: Deswegen ... Hängen wir auch tausend Lichter auf und ich find's so toll.

00:01:07: Ich find's so schön.

00:01:09: Ja, total.

00:01:09: Ich hab gestern eine Sache gemacht, die für mich einfach so super nostalgisch ist und wo ich sofort dran gedacht hab, als das Thema Weihnachten aufkam, nämlich Plätzchenbacken.

00:01:17: Und ich war so richtig den ganzen Tag so, oh ja, heute Kekse backen.

00:01:21: Und Leo, ich hab vergessen, wie scheiße Kekse backen ist.

00:01:24: Also da muss ich wirklich einfach mal die Frage an alle Lavi stellen.

00:01:28: Gibt es jemanden, der gerne und jetzt passt auf, die ganze Zeit Kekse backt.

00:01:33: Weil ich weiß, am Anfang hat man richtig Bock.

00:01:35: Am Anfang ist man so, ja, also natürlich mache ich hier zehn Bleche an Lebkuchen, an normalen Keksen, an was auch immer, was es noch für Kekse gibt.

00:01:45: Und dann spätestens, wenn du da vier Stunden sitzt und verzierst, bist du so, also du bereust dein ganzes Leben gefühlt.

00:01:53: Okay, aber hast du vielleicht ja auch einfach ein bisschen zu viel vorgenommen?

00:01:56: Wahrscheinlich.

00:01:57: Wolltest du vielleicht so für sämtliche Freundinnen und sämtliche Nachbarn und Familienmitglieder eine Kekstüte bereithalten?

00:02:03: Also, die Kekstüte für dich steht hier.

00:02:06: Die kommt sowas vor nächste Woche vorbei.

00:02:08: Ja, also, Kekse backen weiß ich noch nicht so.

00:02:11: Aber ich hab jetzt angefangen Weihnachtsfilme zu schauen.

00:02:14: Was ist denn dein liebster Weihnachtsfilm, Leo?

00:02:16: Ähm, große Empfehlung hab ich, glaub ich, auch schon mal als Leo-Tipp gegeben.

00:02:20: Klaus auf Netflix.

00:02:22: So schön.

00:02:23: So süß.

00:02:24: Ja, der ist wirklich ganz schön.

00:02:25: Aber jetzt, wo ich schon so merke, dass du wirklich sehr den Weihnachtsfokus auch pusht, um nicht zu filmen, fragst und so.

00:02:32: Kann es sein, dass du mir heute eine Christmas-Love-Story erzählen möchtest?

00:02:37: Ja, also ich glaube, darüber kann man sich jetzt streiten.

00:02:40: Ich habe tatsächlich die Geschichte... hinter einem Film mitgebracht, den wir alle kennen.

00:02:45: Und für mich geht der auch ein bisschen in die Kategorie Weihnachtsfilm, weil irgendwie hab ich das Gefühl, dass der besonders viel um Weihnachten rum im Fernsehen läuft.

00:02:54: Aber so richtig typisch Weihnachten ist er nicht.

00:02:57: Er ist nämlich auch relativ tragisch.

00:03:00: Er passt irgendwie ein bisschen zu dir, Leo, weil wir sind wieder auf hoher See.

00:03:05: Oh,

00:03:05: okay.

00:03:06: Ich dachte grad schon so tragisch.

00:03:07: Ich dachte, gerade so eine Überleitung kommt.

00:03:10: Nein, nein, nein.

00:03:11: Nur zu hoher See.

00:03:13: Aber hast du eine Idee, um welchen Filmen es sich handeln könnte?

00:03:16: Ich glaube, es ist ein Film, den wir alle

00:03:19: kennen.

00:03:19: Ja klar, Titanic.

00:03:20: Titanic.

00:03:21: Genau.

00:03:22: Ist das für dich eine Art Weihnachtsfilm?

00:03:24: Für mich

00:03:24: irgendwie schon.

00:03:25: Na ja, also okay, ja.

00:03:27: Ist so ein Film typisch so klassikermäßig, eher in der düsteren Jahreszeit geschaut wird.

00:03:33: Genauso wie Dirty Dancing oder so.

00:03:34: In diese Richtung geht es für mich.

00:03:36: Aber die Handlung an sich ist natürlich eher nicht so schön.

00:03:40: Aber du erzählst mir jetzt nicht die wahre Geschichte von Rose und Jack, oder?

00:03:43: Nee.

00:03:44: Ich dachte, dass die nämlich komplett fiktional sind.

00:03:46: Also natürlich wissen wir alles, gab die Titanic.

00:03:49: Aber dass diese Liebesgeschichte zwischen den Menschen darauf wirklich stattgefunden hat, es gibt es nicht, oder?

00:03:55: Nee, aber es gibt eine Szene im Film Titanic.

00:03:59: Da sieht man ein altes Ehepaar, das eng umschlungen im Bett in ihrer Kabine liegt und gemeinsam auf den Tod wartet.

00:04:06: Und das ist tatsächlich eine Umarsch an ein echtes Paar, das es auf der Titanic gegeben hat.

00:04:13: Und ich erzähle dir heute diese Geschichte und ich kann schon mal sagen, ich habe mehr geweint bei der Gescherche dieser Geschichte als jedes Mal, wo ich Titanic geguckt habe.

00:04:23: Also es ist wirklich ganz, ganz bewegend.

00:04:27: Kleine Vorwarnung hier schon mal.

00:04:29: Falls ihr gerade in der U-Bahn sitzt, Taschentücher.

00:04:32: Es sind eine gute Sache.

00:04:33: Und falls ihr mit Leuten über Titanic redet in den nächsten Wochen, dann könnt ihr ab sofort mit so richtigen Insider-Wissen performen und sagen, ja, aber wisst ihr, dass da wirklich was auch tatsächlich sich so zugetragen hat, aber nicht was ihr denkt, nicht Uros, sondern noch ein süßeres Paar.

00:04:49: Falls ihr jetzt ein bisschen aber auf den Stauch steht und euch fragt, welche Szene im Film Titanic meinen wir, wir laden euch ein Foto bei True Love Podcast hoch.

00:04:57: Da seht ihr einmal dieses Paar.

00:04:59: Und wenn ihr schon viel Titanic geguckt habt, vielleicht erinnert ihr euch dann auch an die.

00:05:03: Aber auch diese Geschichte kann ich schon mal sagen, hat sich ein bisschen anders zugetragen, als es im Film gezeigt wird.

00:05:10: Und damit würde ich sagen, fangen wir an mit unserer heutigen True-Love-Geschichte.

00:05:27: Wir schreiben den zehnten April, zwölf.

00:05:30: Die kleine verschlafene Hafenstadt Zau-Pempten im Süden Englerns erlebt an diesem kühlen, aber sonnigen Morgen einen Ausnahmezustand.

00:05:40: Normalerweise hört man hier an einem Mittwoch nur das Kreischen der Möwen und die Geräusche der Hafenarbeiter.

00:05:45: Doch heute hat sich schon früh eine Menschenmenge im Hafen versammelt.

00:05:51: Alt, jung, Arbeiter wie Adelige, alle haben ihre Köpfe in den Nacken gestreckt, damit sie den schwimmenden Koloss, der sich vor ihren Augen erhebt, besser sehen können.

00:06:02: Das Schiff glänzt im Sonnenlicht und ist fast elf Stockwerke hoch.

00:06:07: circa twohundertfünfzig Meter lang und seine vier mächtigen Schornsteine ragen in den wolkenlosen Himmel.

00:06:14: An seinem Buch prangen in großen geholenden Lettern die Worte, die damals schon legendär sind.

00:06:21: Für die Menschen, die an diesem Tag im Hafen stehen, ist die Fahrt auf der Titanic weit mehr als nur eine Überquerung des Atlantiks.

00:06:28: Sie ist eine Reise in die sogenannte neue Welt.

00:06:33: Viele hoffen, in den USA ein Leben in Freiheit zu finden.

00:06:36: fern von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen Europas.

00:06:42: Die USA gilt als Land der Möglichkeiten, als Ort des Neuernfangs.

00:06:47: In nur sechs Tagen soll die Titanic von Southampton nach New York gelangen.

00:06:52: Mitten im Gedränge der Schaulustigen und Reisenen stehen Ida und Isidore Strauß mit Boardkarten in ihren Händen.

00:06:59: Beide sind in ihren Sechzigern und haben schon viele Überfahrten hinter sich.

00:07:04: Und doch krippelt bei beiden die Vorfreude.

00:07:08: Denn sie wissen, dass sobald sie das Schiff betreten, sie Teil der ersten historischen Jungfernfahrt der Titanic sein werden.

00:07:16: Jungfernfahrten von Schiffen mitzuerleben, ist Easy Doors Hobby.

00:07:21: Neueste Technologien zu erleben, findet er unfassbar aufregend.

00:07:26: Er führt sogar eine Liste darüber, mit welchen Schiffen er bereits gefahren ist.

00:07:31: Abgesehen davon ist eine Reise mit der Titanic nicht nur eine technologische Sensation, sondern auch das soziale Event der Saison.

00:07:44: Also ich kann ihn komplett nachvollziehen und vielleicht direkt zu Beginn einmal mein großer Zwitspalt, den ich schon lange in mir trage.

00:07:54: Ich finde Kreuzfahrtschiffe bzw.

00:07:57: auch sowas wie die Titanic, die sogar auch noch viel größere Sensation ist, eigentlich so.

00:08:04: Cool.

00:08:04: Also wirklich, ich hätte so Bock darauf mal.

00:08:07: Ich finde es unfassbar, dass das überhaupt möglich ist, dass so ein Riesenschiff so groß wie eine ganze Stadt irgendwie über den Ozean tockert und halt einen an andere Orte trägt.

00:08:19: Aber man kann es natürlich nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren.

00:08:22: Und das ist so schade.

00:08:24: Ich hoffe einfach, dass die Technologie da ganz schnell, so wie bei Easy Door damals, jetzt auch schon ganz viele neue Fortschritte macht.

00:08:31: und das irgendwie klimaneutraler gestalten lässt.

00:08:34: Weil ich hätte so Bock darauf mal, aber ja, das kann mein Klimaherz nicht aushalten.

00:08:40: Ich glaube, damals waren auch so große Schiffe wie die Titanic noch mal lemmeröser, als heute die Kreuzfahrtschiffe sind.

00:08:49: Also es war wirklich ja auch etwas, mit dem man prallen konnte, etwas... was wirklich ein Event war.

00:08:58: Und du sagst ja auch, es war etwas, womit Leute in eine neue Welt gereist sind.

00:09:01: Manche sind so wie Ida und Isidore, die einfach das Schiff an sich und die Fahrt an sich im Fokus haben.

00:09:08: Und andere wandern halt damit aus und starten ein neues Leben in den USA.

00:09:12: Also das Schiff bringt einen eine neue Welt.

00:09:16: Es

00:09:16: war ja auch die einzige Möglichkeit, so eine Überfahrt zu machen, also in ein anderes Land zu kommen.

00:09:22: Tatsächlich ist es auch eher Zufall.

00:09:25: dass das Paar heute die Titanic besteigt.

00:09:28: Weil es ist genau, wie ich gerade beschrieben hab, das Paar sucht eine Heimreise.

00:09:33: Sie haben nämlich den Winter in Europa verbracht und eigentlich planten sie auf einem anderen Schiff zurück nach Hause nach New York City zu reisen.

00:09:41: Dort wohnen sie nämlich.

00:09:42: Doch dieses Schiff verspätet sich, also das, was sie eigentlich gebucht haben.

00:09:47: Und so beschließen sie kurze Hand, an Bord der Titanic zu gehen.

00:09:51: Oh mein Gott.

00:09:53: Das ist natürlich tragisch, wenn man weiß, was mit der Titanic passiert.

00:09:57: Ja.

00:09:58: Die beiden haben sich eine von nur vier Luxuskabinen gebucht, die noch besser ausgestattet sind, als die der regulären ersten Klasse.

00:10:08: Ihre Kabine fünf-fünf-fünf-sieben auf Deck C hat zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, zwei Ankleidezimmer, Einbad mit Toilette und moderne Technik wie Heizung und Telefon sowie Zugang zu privaten Promenadendecks.

00:10:23: Die anderen Kabinen der ersten Klasse sind lange nicht so prunkvoll.

00:10:26: Sie teilen sich zum Beispiel ein Gemeinschaftsbad.

00:10:30: Darum kosten die vier Luxus-Kabinen auch viel mehr als eine reguläre erste Klasse.

00:10:36: Nach heutigen Geldwert kostet das Luxusticket, das Ida und Isidore kaufen, ca.

00:10:41: hundertfünfundzwanzigtausend Euro lehren.

00:10:44: Oh mein Gott, was?

00:10:45: Ein normales erste Klasseticket kostet nur rund viertausendfünfhundert Euro.

00:10:50: Ähm,

00:10:51: was machen ihr dann?

00:10:52: Ist ihr doch beruflich?

00:10:54: Du merkst schon, Geld ist bei denen kein Problem.

00:10:59: Für die ist das tatsächlich auch nicht viel Geld.

00:11:01: Also diese hundertfünfundzwanzigtausend Euro, heute umgerechnet.

00:11:06: Sie besitzen nämlich nach heutigen Geldwert ein Vermögen von Zürcher.

00:11:10: Halt dich fest, Leo.

00:11:11: Halt dich fest.

00:11:12: Hättest du dich fest?

00:11:13: Warte.

00:11:13: gut, Sven, ich will raten.

00:11:15: Wenn hundert und zwanzigtausend Euro für dich nichts ist, also nicht so viel ist, das ist so, darauf lebt man Jahre hin, dass man sich das anspart.

00:11:23: Wenn das für jemanden nicht so viel ist, dann würde ich sagen, Sekunde, nicht viel.

00:11:32: Also auf jeden Fall natürlich multimillionär.

00:11:35: Und dann ist hier die Frage, sind's zehn, zwanzig, dreißig Millionen?

00:11:39: Ja.

00:11:40: Kannst du auch ein bisschen hochgehen?

00:11:42: Sie haben nach heutigen Geldwert ein Vermögen von ca.

00:11:45: ninety-fünf Millionen Dollar.

00:11:47: Oh mein Gott.

00:11:48: Also, dieses Ticket ist wahrscheinlich wie ein zehn Euro Schein für dich heute.

00:11:53: Oder ein Euro oder ein Cent, keine Ahnung.

00:11:56: Ihr merkt, ich bin nicht gut in Mathe.

00:11:57: Aber

00:11:57: wie kommen Sie an so viel Geld?

00:11:59: Und das hat's richtig gleich.

00:12:01: Erst mal wollen wir uns noch ein bisschen den Luxus anschauen, den Sie sich jetzt gönnen.

00:12:06: Ich hab dir ein paar Fotos mitgebracht von Ihrer Kabine.

00:12:10: Und ich finde, das sieht schon wirklich... Also, es ist für mich immer unglaublich zu sehen, dass so was auf so einem Schiff möglich ist.

00:12:17: Das sieht ja einfach aus wie ein Hotelzimmer, aber ein sehr schickes Hotelzimmer.

00:12:24: Ja,

00:12:24: deswegen habe ich ja diese Riesenfaszination, weil ich finde es total crazy, dass da drauf einfach wirklich... Hotels, Häuser, Wasserparks und so weiter fahren können.

00:12:32: Es ist irgendwie für mich unvorstellbar, auch physikalisch, dass das überhaupt alles geht.

00:12:37: Aber ja, ist das sehr schön.

00:12:38: Ich kenn ja auch schon diese Zimmer so ungefähr aus meiner Erinnerung an Titanic.

00:12:44: Das ist ja quasi auch jetzt die Klasse, in der Rose da im Film mitfährt.

00:12:50: Und da sieht man ja auch schon die Unterschiede zu Jacks Klasse.

00:12:54: Also ... ganz anderer Luxus, den man sich hier mit dem Geld leisten kann.

00:13:00: Ja, Isidore und Ida Strauss, die gehören auch zur Heise Society New Yorks.

00:13:05: Jeder in der Stadt kennt ihr Namen oder das ihres weltbekannten Kaufhauses.

00:13:12: Vorfreudig schreiten Ida und Isidore vom Pia aus auf das Deck B, den Eingang für Passagiere erster Klasse.

00:13:20: Das Schiffsorchester spielt beim Einlass das Stück The Chocolate Soldier.

00:13:24: Das wurde von einem Verwandten von Isidor komponiert.

00:13:28: Kommst du auf den Namen vielleicht, Leo?

00:13:29: Es ist ein sehr berühmter Komponist und Isidor heißt ja Strauss mit Nachnamen.

00:13:34: Oh mein

00:13:35: Gott, es ist auch Strauss.

00:13:37: Und die sind verwandt?

00:13:37: Ja,

00:13:38: es ist Oscar Strauss, der dieses Stück komponiert hat.

00:13:41: Und die sind tatsächlich verwandt.

00:13:43: Okay, also sind wirklich heiße Society.

00:13:45: Ja, die sind richtig heiße Society.

00:13:47: Isidor und Ida, die bestaunen jetzt den puren Luxus, der ihnen auf Deck B entgegenstrahlt.

00:13:54: Die Wände sind mit dunklen Holzpanilen verkleidet und der Boden ist mit roten Sand ausgelegt.

00:14:01: Ein wahrer Blickfang ist die große Treppe aus Eichenholz und Schmiedereisen, verziert mit kunstvollen Mustern und überdacht von einer Glaskuppel, die das Licht wie Tagesstrahlen hineinfallen lässt.

00:14:14: Rechts und links der engen Flure liegen großzügige Kabinen und Aufzüge, was eine Sensation zur damaligen Zeit ist.

00:14:22: Auch die Gesellschaftsträume sind prunkvoll ausgestattet.

00:14:26: Das Café Parisienne mit frischen Blumen auf den Tischen und Klaviermusik erinnert an Pariser Straßencafés.

00:14:34: In den Launges singt man im grünes Amtssessel und im Leseraum lodert ein Feuer in einem Marmor verkleideten Kamin.

00:14:43: Es gibt zahlreiche Freizeitangebote für die sechstägige Fahrt.

00:14:48: Unter anderem ein Fitnessraum, in dem sogar ein elektrisches Kameel zum Reiten

00:14:53: steht.

00:14:54: Das ist so wild.

00:14:56: Das kann man so ein bisschen mit einem elektronischen Rodio-Bullen wahrscheinlich vergleichen, wie wir ihn aus Amerika kennen.

00:15:02: Nur, dass es eben ein Kameel ist mit einer großen runden Sitzfläche, die wackelt, wenn man sich draufsetzt.

00:15:09: Es hieß damals, dass das gut für die Leber sei und deswegen steht diese Vorrichtung wahrscheinlich auch im Fitnessraum.

00:15:17: Es gibt ja oft auf Kreuzfahrtsschiffen so Themenwelten auch.

00:15:21: Ich glaube, sämtliche Disney-Star-Sachen wurden schon irgendwie umgesetzt.

00:15:26: Und man kann ja vielleicht mal ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern.

00:15:30: Es gab ja auch schon diverse Anfragen, ob wir nicht auftreten wollen auf einem Kreuzfahrtschiff, weil da wollte man sich quasi in die True Crime Welt wagen.

00:15:38: Was ich auch so ein bisschen lustig finde, weil eigentlich, wenn wir auf einem Schiff ein True Crime Fall erzählen, würde bei mir so eine Paniknummer losgehen.

00:15:45: Weil das ist ja eigentlich nicht damit, dass womit du konfrontiert werden möchtest, wenn du mit einer gewissen Menge an Menschen mitten auf dem Ozean eingesperrt bist.

00:15:54: Ja, also es ist immer spannend, was dafür Themenwelten irgendwie auch stattfinden.

00:15:58: Ja, also so richtig Themenwelten gibt es auf der Titanic, glaube ich, noch nicht.

00:16:02: Da ist schon so die Themenwelt einfach sehr prunkvoll.

00:16:06: Luxus.

00:16:06: Auf

00:16:06: der Titanic gibt es aber noch ganz viele andere Sachen, die auch zu dieser Zeit ein großer Luxus sind.

00:16:12: Es gibt zum Beispiel ein Schwimmbad mit Salzwasser.

00:16:15: Das ist das erste seiner Art auf einem Ozeandampfer.

00:16:18: Und auf dem Deck gibt es Liegestühle, Wintergärten mit Palmen und eine elegante Promenade, die die Gäste entlangschreiten können.

00:16:27: Der erste klasse Speisesaal ist mit Säulen und Kronleuchtern geschmückt und dort werden feine Speisen serviert.

00:16:33: Frischer Hummer, Rosebeef oder eingelegte Garnier.

00:16:37: Dieser Luxus nimmt, je tiefer man die Etagen herabgeht, immer weiter ab.

00:16:41: Im Speisesaal der zweiten Klasse stehen lange Tische dicht an dicht.

00:16:46: Das Licht ist nicht mehr gedimmt, sondern scheint kühl auf die Speisen Und der Fokus liegt hier mehr auf Funktionalität.

00:16:52: Trotzdem gibt es aber hier und da auch noch Luxus.

00:16:55: Wie z.B.

00:16:56: prunkvolle Mahagonisäulen.

00:16:58: Ein Ticket der zweiten Klasse kostet damals sechzig Dollar.

00:17:01: Umgerechnet auf heutige Verhältnisse rund ein tausendsechsundert Euro.

00:17:06: Immer noch sehr, sehr teuer für mich.

00:17:08: Passagiere der dritten Klasse zahlen im Durchschnitt sechsunddreißig Dollar.

00:17:12: Das wären heute knapp tausend Dollar.

00:17:16: Für die dritte Klasse auf dem unteren Deck, also jetzt gehen wir.

00:17:20: Dahin, wo Jack, glaube ich, war bei Titanic, gibt es zum Beispiel nur schlichte Speisesäle mit einfachen Holztischen und gerade genug Licht, dass man halbwegs sehen kann.

00:17:30: Allgemein war die dritte Klasse auf der Titanic sehr viel schlichter gehalten als die zweite oder erste Klasse.

00:17:37: So gibt es zum Beispiel einen großen Gemeinschaftsraum, wo die Passagiere sich versammeln und selber mit einem Piano, das dort steht, musizieren können.

00:17:45: Vielleicht kennt ihr die Szene auch noch aus Titanic, wo Jack und Rose da tanzen, während auf dem Piano gespielt wird.

00:17:52: Und außerdem gibt es auch noch einen Raucherraum, der aber nur für Männer ist.

00:17:57: Die Kabinen der dritten Klasse sind mit mehreren Bankbetten, in denen bis zu zehn Menschen schlafen können, ausgestattet.

00:18:04: Was müssen alle Frauen machen, die rauchen?

00:18:05: Die müssen einfach jetzt einen Zug machen, weil sie nirgendwo rauchen dürfen?

00:18:09: Ja, die dürfen nicht.

00:18:11: Keine Ahnung.

00:18:12: Ja, wild.

00:18:14: Und es gab für die dritte Klasse auch nur zwei Badezimmer, die die über tausend Passagiere in der dritten Klasse sich geteilt haben, also das wäre mein Albtraum.

00:18:25: Ihr merkt aber wahrscheinlich schon, man kann sagen, dass die Titanic eine Art schwimmende Stadt ist.

00:18:32: Isidor und Ida bekommen von diesen Teilen der Titanic allerdings nicht viel mit.

00:18:38: Sie richten jetzt Ihre großzügigen Sweeten ein, während Ihre Bediensteten, die Sie auch mitgenommen haben, das ist einmal die frisch eingestellte Zaufe Ellen Bird und Isidos langjährige Gardiner John Farving in den kleineren Kabinen nebenan Quartier beziehen.

00:18:52: Ich habe mich gerade kurz gefragt, warum Sie Personal auf dieser Fahrt brauchen, weil da gibt es ja schon unheimlich viele und dann ist mir eingefallen, dass das für Sie ja aber auch eine Art Reise ist.

00:19:02: Also Sie treten ja mit der Rückreise an zurück nach New York.

00:19:05: Genau, die sind eh dabei gewesen und die müssen jetzt auch mit zurückkommen.

00:19:09: Alles andere wäre einfach so eine unnötige Geldverschwendung, aber es ist ja eh eigentlich schon in dieser überteuren Klasse zu fahren.

00:19:17: Aber ich glaube, wie gesagt, das ist bei denen ein bisschen egal.

00:19:21: Als die Uhr achtzehn Uhr dreißig schlägt und die Titanic mit dreimächtigen Pfiffen vom Hafen ablegt, waren die beiden nicht.

00:19:29: Ab jetzt.

00:19:30: Tickt die Uhr für eines der wohl beliebtesten Paare New York Citys des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts.

00:19:37: Und ich glaube, Leo, jetzt wird Zeit aufzulösen, warum die so beliebt sind und so bekannt und auch so reich natürlich.

00:19:44: Ja, das frage ich mich auch jetzt grad.

00:19:47: Ja, also wenn sie jetzt irgendwie das Kaufhaus gegründet haben und das hat irgendwie die Infrastruktur verbessert und so kann ich mir vorstellen, dass man dann irgendwie angesehen ist, aber dass sie so beliebt sind.

00:19:58: Wie du gerade sagst, warum das denn?

00:20:00: Ja, lass uns mal schauen.

00:20:02: Ich glaube, du wirst am Ende auch merken, dass du, gerade weil du schon in New York warst, viel mehr von denen kennst, als du denkst.

00:20:08: Aber fangen wir ganz vorne an, nämlich damit, wo die beiden eigentlich geboren sind, und zwar ist das Deutschland.

00:20:14: Isidor ist nämlich in Rheinland-Pfalz geboren, in einem kleinen Ort namens Otterberg.

00:20:20: Mit etwa neun Jahren nimmt er aber zusammen mit seinen Geschwistern und mit seiner Mutter endgültig Abschied von seiner Heimat, um zu seinem Vater zu ziehen.

00:20:28: Der war nämlich schon zwei Jahre zuvor nach Amerika ausgewandert, da er sich hier einfach bessere Arbeitsmöglichkeiten erhoffte.

00:20:35: Und zu dieser Zeit wandern zehntausende Felser, darunter viele jüdische Familien, in die USA aus.

00:20:42: Die Abwanderung ist so groß, dass die Bevölkerungszahl von Rheinland-Pfalz zeitweise sogar rückläufig ist.

00:20:50: Also musst du dir mal vorstellen, so viele Leute sind gegangen.

00:20:54: Bis ein Jahrhundert werden rund fünf Millionen deutschsprachige Menschen ihr Glück in den USA suchen.

00:21:00: Darunter ist auch die Familie eines Mädchens, das nur etwa sechszig Kilometer von Isidors Heimatort entfernt geboren wurde.

00:21:07: Ihre Familie wandert ebenfalls Anfang der Achtzehnhundertfünfzigerjahre in die USA aus.

00:21:12: Ihr Name ist Rosalie Ida-Bloon.

00:21:16: Als Idas Familie in den USA anlegt, bleiben sie vermutlich direkt in New York City.

00:21:22: Isidores Familie hingegen lebt nun in Georgia und er arbeitet schon früh hier im Laden seines Vaters, in Tantresen.

00:21:30: Er wiegt Waren ab, kassiert und lernt, wie man mit Kunden umgeht.

00:21:34: Mit siebzehn arbeitet er bereits als Sekretär für eine Handelsgesellschaft, die während des Bürgerkriegs Waren aus Europa in die Südstaaten importiert.

00:21:44: Das ist nicht nur eine Lokrative, sondern auch eine sehr riskante Aufgabe.

00:21:48: Dieser Bürgerkrieg hinterlässt aber die Wirtschaft der Südstaaten und auch das Haus der Strauß in Trümmern.

00:21:55: Und die Familie von Isidor steht jetzt vor zwei Optionen.

00:22:00: Entweder sie bleiben in Georgia oder sie müssen sich ein neues Leben woanders aufbauen.

00:22:06: Und Isidor, der investiert jetzt all sein Geld, das er hat.

00:22:10: Das ist zu der Zeit nicht viel, er hat zehn tausend Dollar.

00:22:14: Und davon kauft er jetzt ein dreistöckiges Ziegelhaus in Midtown Manhattan.

00:22:20: Also für Zehntausend Euro ein Haus in Manhattan gekauft.

00:22:23: Das war, glaube ich, eine ganz kluge Wahl, weil es befindet sich auch in der West-Fordynine Street und das ist unweit des heutigen Timesquares entfernt.

00:22:34: Ja, das ist immer so krass zu sehen, was einfach damals die Gebäude wert waren und wo man dann investiert hat und jetzt heutzutage ist allein dieses Haus.

00:22:46: würde wahrscheinlich ihm schon ein Leben langes Einkommen sichern, sodass er nie wieder arbeiten muss.

00:22:52: Es ist unfassbar.

00:22:53: Ja, aber damals ist erst alles im Kommen und als Isidore das erste Mal durch seinen neuen Bezirk spaziert, fühlte sich, als hätte er eine völlig andere Welt betreten.

00:23:03: Überall um ihn herum ragen mehrstöckige Häuser aus Stein und nicht aus Holz wie in Georgia in den Himmel.

00:23:10: Schon damals scheint New York City niemals still zu sein.

00:23:14: Fast rund um die Uhr hört Isidor das Schlagen der Hammer auf Metall, das Rollen von Wägen über das Kopfsteinpflaster und Männer, die sich Kommandos zu rufen.

00:23:24: Etwas weiter südlich von Isidor's Haus wird gerade die ikonische Brooklyn Butch gebaut.

00:23:30: Aus offenen Fenstern und kleinen Läden trinken Gerüche von Gewürzen, frisch gebackenen Brot und rauchen seine Nase.

00:23:38: Wenn Isidor mal in anderen Fitteln etwa in der Lower East-Zeit unterwegs ist, Er schreckte sich vor der bitteren Armut, in der viele Menschen hier leben.

00:23:48: Vermutlich wird ihm schnell klar, dass er und seine Familie Verbündete in dieser Metropole brauchen.

00:23:54: Und wahrscheinlich erinnert er sich jetzt an die Worte seiner ehemaligen Nachbarin aus Deutschland.

00:23:59: Die hätte nämlich gesagt, wenn du jeweils nach New York kommst, besuch unbedingt meine Eltern.

00:24:04: Sie werden dich aufnehmen wie ein Sohn.

00:24:07: Ein paar Tage später steht Isidor jetzt gemeinsam mit seinen Eltern vor einem mehrstöckigen grauen Wachsteingebäude, das zwanzig Gehminuten von ihrem Haus entfernt liegt.

00:24:17: Isidor ist neugierig und aufgeregt und vermutlich setzt er all seine Hoffnung auf dieses Treffen.

00:24:24: Denn Familie Strauß kennt kaum jemanden in der Stadt.

00:24:27: Sie hoffen, einen ersten Anknüpfungspunkt zu finden.

00:24:31: Sie klingeln und als die Tür aufgeht, wirft Isidor einen ersten Blick auf Familie Bloon.

00:24:36: und die vierzehnjährige Schwester seiner früheren Nachbarin, Ida.

00:24:40: Welche ersten Worte Isidor und Ida miteinander sprechen, wissen wir leider nicht.

00:24:45: Doch es heißt in den Quellen, dass sofort eine ganz besondere Atmosphäre zwischen den beiden herrschte.

00:24:51: Erinnere mich kurz daran, wie alt Isidor ist.

00:24:54: Er ist acht, also vier Jahre älter.

00:24:58: Aber wir haben noch keine Liebesbeziehung zu dieser Zeit, falls das hilft.

00:25:02: Das

00:25:02: hilft auf jeden Fall und er ist ja auch nicht sehr viel älter.

00:25:06: Genau, das ist ganz gut.

00:25:09: Und nicht nur Isidro und Ida verstehen sich von Anfang an gut, sondern auch ihre Familien.

00:25:14: In den nächsten Jahren sehen sich die Familien sehr häufig.

00:25:18: In dieser Zeit gründen die Strauß eine eigene Firma für Tafelgeschirr und Glaswahn.

00:25:23: L. Strauss & Sons.

00:25:26: Noch im Jahr der Gründung, in den letzten Jahren, boomt das Geschäft und Isidore kauft ein neues Haus in Midtown Manhattan.

00:25:34: Die Strauss wohnen jetzt nur elf Blocks von den Bloons entfernt und Ida und Isidore sehen sich immer öfter.

00:25:41: Ida und Isidore haben tatsächlich auch eine große Gemeinsamkeit.

00:25:45: Sie teilen nämlich den gleichen Geburtstag, den sechsten Februar.

00:25:49: Doch im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im Jahr, im.

00:26:17: Er wird es dieses Jahr nicht schaffen.

00:26:20: Der Gedanke, dass er Ida enttäuschen könnte, lässt ihm vermutlich sein Herz in die Hose rutschen.

00:26:25: Aber warum eigentlich, fragt er sich?

00:26:27: Warum ist ihm diese Tradition so wichtig?

00:26:31: Während Isidor durch die Straßen von San Francisco läuft, muss ihm bewusst geworden sein, er liebt Ida.

00:26:39: Ida feiert in Geburtstag allein, ohne Isidor.

00:26:42: Aber, als er endlich zurück in New York ist, Besucht er an einem Tag Ende April wieder die Bloons.

00:26:49: Diesmal aber mit klopfenden Herzen und etwas schwitzigen Händen.

00:26:53: Vielleicht wartet jeder gerade im Garten und geben vom Duft blühender Magnolien, als er plötzlich vor ihr steht.

00:27:01: Ich sehe ihn wie er nach Worten ringt, nervös, aber fest entschlossen.

00:27:06: Er weiß, sie ist hier einer.

00:27:08: Eine Frau, die er an seiner Seite haben will.

00:27:11: Für immer.

00:27:12: So viele Dinge verbindet sie.

00:27:15: Er will seine Gefühle nicht weiter leugnen, weder sich selbst gegenüber noch eher.

00:27:20: Und vielleicht in dem Moment, als er den Ring hervorholt, denkt Isidor kurz zurück an seine erste Überfahrt über den Atlantik.

00:27:28: An den weiten Himmel, die funkelnden Sterne.

00:27:31: So hell wie damals, so klar scheint ihm jetzt seine Zukunft.

00:27:36: Und Ida, sie sieht es auch und sagt Ja, als Isidor vor ihr auf die Knie geht.

00:27:42: Und dann kommt endlich der große Tag, auf den alle gewartet haben.

00:27:45: Der zwölfte Juli, die ist ein warmer, goldener Sommertag in New York.

00:27:51: Während die Sonne auf die Dächer der Stadt brennt, ist es im Garten angenehm schattig.

00:27:56: Es ist alles vorbereitet, weiße Stühle in ordentlichen Reihen, duftene Blumen und Gelandten.

00:28:01: Man hört das Klirn von Porzellan, das Rascheln feiner Stoffe, das Lachen der Hochzeitsgesellschaft.

00:28:07: Während ihr das Haare In einem Zimmer, das Hauses kunstvoll hochgesteckt werden, beginnen die Glocken zu läuten.

00:28:15: Und die ersten Gäste treffen

00:28:16: ein.

00:28:17: Aber

00:28:18: eine Person fehlt.

00:28:20: Wo ist bloß Isidore?

00:28:22: Fragen sich seine Eltern.

00:28:23: Oh nein.

00:28:24: Er sollte doch schon längst hier sein und sich fertig machen.

00:28:27: Oh nein.

00:28:28: Hoffentlich ist das jetzt nicht so.

00:28:29: ein Carrie-Bredshaw-Moment.

00:28:32: Oh.

00:28:32: Wo

00:28:32: Big nicht kommt.

00:28:34: Und sie hat's ja doch geahnt.

00:28:36: Er hat weiche Knie bekommen.

00:28:39: Aber so schätzt sich jetzt Isidor nicht ein.

00:28:40: Nee, also weil ich Knie hatte, nicht.

00:28:42: Aber es gibt ein kleines Problem, weil die Kutsche, in der Isidor ist, die steckt in den Straßen der Stadt fest.

00:28:49: Oh nein.

00:28:50: Denn was niemand bei der Planung der Hochzeit bedacht hat, der twelfte Juni ist in New York kein gewöhnlicher Tag, sondern der Orange Man's Day.

00:28:59: Und in diesem Jahr feiern die irischen Protestanten das zweihundertjährige Jubiläum des Siegels ihres Königs Willem von Oranien über die katholischen Truppen.

00:29:09: Den ganzen Tag schon marschieren irische Einwander feierlich durch die Straßen.

00:29:14: Doch die Parade schwingt um in ein blutiges Chaos, hütende Mops, Schüsse, Schreie und brennende Barrikaden.

00:29:22: Einundreißig Menschen sterben und der Tag geht als einer der blutigsten in die Geschichte der jungen Stadt ein.

00:29:28: Oh Gott, wie tragisch, dass die Hochzeit an exakt diesem Tag stattfindet und er deswegen jetzt nicht rechtzeitig ankommt.

00:29:35: Ich hab tatsächlich diesen Orange Man's Day auch mal mitbekommen.

00:29:39: Es gibt immer noch solche Märsche und dieses Jubiläum, was gefeiert wird.

00:29:45: Und zwar, wo hab ich das gesehen, in Schottland wird das auch gefeiert, was auch ganz komplizierte geschichtliche Verbindungen hat.

00:29:54: von Protestanten, die gegen Katholiken.

00:29:57: und ja, ich bin nicht Experte darin, aber es war auf jeden Fall, du hast schon gemerkt, die Leute nehmen das sehr ernst wieder mitmarschieren und es ist ein sehr aufgeladenes Thema, also sogar jetzt noch.

00:30:08: Weil die ganze Stadt, ich glaube es war Glasgow, komplett aufgeladen und du hast gemerkt, Leute nehmen es sehr ernst und der Rest der Bevölkerung war aber auch wirklich richtig.

00:30:18: Sauer, dass sie da herlaufen, weil das politisch auch irgendwie rückwärts gewandt ist, Gedanken gut auch beinhaltet und so.

00:30:25: Aber ja, also ich kann mir vorstellen, dass das in der Zeit, wenn du auch noch mit einer Kutsche unterwegs bist, dir paar Pläne durchkreuzt.

00:30:34: Ja, Isidor's Kutsche muss jetzt wahrscheinlich große Umwege fahren, um dem wütenden Mob zu entgehen.

00:30:39: Aber irgendwie schafft es Isidor dann doch zu Zeremonie.

00:30:42: Das war es ja zu spät.

00:30:44: Aber immerhin ist er in einem Stück angekommen und das ist ja wohl das Wichtigste.

00:30:50: Auf den Straßen tuppt noch immer Aufruhr, oder im Haus der Bloons scheint die Welt für einen Moment stillzustehen.

00:30:57: Barms Licht fällt durch die hohen französischen Fenster und taucht den Raum in einen goldenen Schimmer.

00:31:04: Ida trägt ein wunderschönes Kleid mit Rüchen und Spitze und ihre langen braunen Locken liegen wie eine Krone auf ihrem Kopf.

00:31:21: Ich habe dir auch eine Hochzeitsbild von den beiden mitgebracht.

00:31:26: Sie gucken sehr ernst.

00:31:27: Das ist, glaube ich, einfach damals Mode gewesen.

00:31:32: Und die Koteletten sind auch sehr prägnant, aber sie sind schon ein süßes Paar.

00:31:37: Also, falls ich irgendwann einen Weddingplaner vor mir sitzen habe, ist das jetzt nicht die Inspiration, die ich zeige für meine eigenen Fotos.

00:31:45: Also, ich glaube, so soll es nicht aussehen.

00:31:48: Da nehme ich wohl eher deine Fotos.

00:31:50: Aber es ist jetzt ... Ich finde, es sieht eher aus wie so ein Gemälde, was auch im Museum hängt, wenn du so adlige Herrscher dir anschaust.

00:31:57: Aber klar, es ist halt auch eine andere Zeit.

00:32:00: Vielleicht war es dann ja wirklich in Mode.

00:32:01: Ich finde es auch weird, dass er sitzt und sie so steht.

00:32:04: Also sie ... sehen jetzt nicht aus wie ein glückliches Paar, das gerade geheiratet hat, sondern eher wie so Könige, die gezeichnet wurden.

00:32:11: Ich habe gerade das Bedürfnis, dieses Foto mit dir nachzustellen.

00:32:14: Das müssen wir irgendwann

00:32:14: mal machen.

00:32:16: So alte, alte Gemälde eigentlich nachstellen.

00:32:19: Ich glaube, das ist schon sehr lustig.

00:32:21: Es ist schon sehr lustig.

00:32:22: Ja, aber ihr merkt ja, die beiden sind total glücklich.

00:32:26: Und so geht es jetzt auch weiter bzw.

00:32:29: es ist... Wie es so oft im Leben ist, es gibt viele Hoch- und Tiefs, die dir aber zusammen durchstehen.

00:32:35: Und wir machen jetzt mal einen kleinen Schnelldurchlauf durch ihre nächsten Jahre.

00:32:39: Die beiden bekommen insgesamt sieben Kinder.

00:32:42: Also sie haben eine sehr große Familie.

00:32:46: Aber leider stirbt auch eines.

00:32:48: Also der eine Sohn stirbt mit nur zwei Jahren an einer Blinddarmentzündung.

00:32:52: Und das ist natürlich für die Familie ein ganz schwerer Schicksalsschlag.

00:32:57: Die nächsten Jahre vergehen und beruflich läuft es auch immer besser für die Strauß.

00:33:03: Das für mich ein Unternehmen, Elle Strauß & Sans, hat sich nämlich mittlerweile auf den Handeln mit Glas und Porzellanenwaren spezialisiert und damit den Nerv der Zeit getroffen.

00:33:14: Innerhalb kürzester Zeit beliefern sie die wohlhabende Elite der Stadt, reiche und eingewanderte Europäer, die sich nach dem Glanz und Luxus ihrer Heimat sehen.

00:33:42: Und Leo, ich glaube, du kennst dieses Kaufhaus.

00:33:44: Wir waren da auch schon mal zusammen drinnen.

00:33:47: Ja,

00:33:47: Macy's.

00:33:48: Ich glaube, das bekannteste Kaufhaus der Welt, kann man das sagen?

00:33:52: Weiß ich nicht, gibt es Bekannter?

00:33:54: Bestimmt, aber es ist schon eines der größten und damals war das auch schon in New York ein Riesenname.

00:34:01: Ich gucke es kurz nach, die bekanntesten Kaufhäuser der Welt.

00:34:03: Ich habe jetzt kurz, ich habe eine kleine Ablehnkung gerade.

00:34:08: Ich kann ja nebenbei schon mal erzählen, dass die Familie Strauß dort eine eigene Abteilung betreiben darf und das ist natürlich ein Riesenerfolg.

00:34:16: Und das ist auch der Beginn einer steilen Karriere im amerikanischen Einzelhandel.

00:34:21: Dafür ist die Familie Strauss bis heute noch bekannt.

00:34:25: Mit dem Einzug ins Macy's wird die Strauss-Familie zu einer der wohlhabendsten Familien in den ganzen USA.

00:34:32: Sie sind zwar nicht, wie im Sprichwort vom Tellerwäscher zu Millionär geworden, aber vom Tellerverkäufer zu Millionär.

00:34:39: Und damit sind Sie die Definition des amerikanischen Traums.

00:34:44: Es sind auf jeden Fall Teller involviert und das ist der amerikanische Traum.

00:34:47: Ja, ich lag nicht ganz so falsch.

00:34:49: Sie sind, also ich habe nachgeschaut, die bekanntesten Kaufhäuser der Welt und da wird das Macy's auch genannt für die USA stellvertretend.

00:34:56: Aber es gibt auch noch natürlich Harrods in London, dann die Lafayette Galerie in Paris und natürlich das KDW in Berlin.

00:35:05: Ich habe jetzt so einen... Bräuniger und Karstadt gedacht, aber ...

00:35:09: Nee.

00:35:10: Ich merke, ich bin nicht in den richtigen Kaufhäusern unterwegs.

00:35:14: Aber ... So geil, wenn ...

00:35:15: Nee, als Macy's ist nicht so bekannt, es gibt ja auch Bräuniger.

00:35:18: Ja, aber ist cool, ich mag Bräuniger.

00:35:21: Bräuniger, das ist jetzt unplatzierte Werbung, aber ... Ja, und es ist aber trotzdem super spannend, dass du sagst, Macy's ist eins der größten Kaufhäuser.

00:35:34: Weil das wird jetzt noch mal zeigen, wie wichtig die Straus werden.

00:35:38: Weil als der Gründer Roland Macy, aus dem Jahr eighteenhundert sechsundneinzig stürbt, übernehmen Isidor und sein Bruder Nathan jetzt die alleinige Eigentümerschaft des Kaufhauses.

00:35:49: Also den Straus gehört jetzt Macy's.

00:35:51: Wie krass, Sie sind in den Keller eingezogen.

00:35:54: Und jetzt gehört Ihnen aber das ganze Kaufhaus, weil dir besitzt was ich einfach wieder mag.

00:35:58: Nee, sie hatten ein Stockwerk, also sie hatten schon eine Abteilung da.

00:36:03: Und ich glaube, jetzt haben sie ihn halt rausgekauft.

00:36:05: Also wir haben einfach sehr gute wirtschaftliche Entscheidungen getroffen.

00:36:10: Und als neue Besitzer des Macy's gelten sie als ausgesprochene fortschrittliche und soziale Arbeitgeber.

00:36:17: Sie führen Sachen ein, die wirken für uns vielleicht heute sehr selbstverständlich, die gab's aber damals kaum in Geschäften.

00:36:25: Sie führen z.B.

00:36:25: kostenlosen Kaffee für alle Angestellten ein.

00:36:28: Außerdem stellen sie einen Betriebsarzt zur Verfügung und eröffnen ein firmeignes Restaurant und gründen sogar ein Feriencamp für die Belegschaft.

00:36:37: Ja, ich glaube, man kann es sich wirklich nicht mehr vorstellen, weil wir heute das einfach erwarten von unserem Arbeitgeber und das auch richtig so.

00:36:44: Aber wir hatten ja auch eine Folge über Rosa Luxemburg, die ganz stark für Arbeitnehmerrechte gekämpft hat.

00:36:50: haben uns da die Arbeiterbedingungen angeschaut im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert.

00:36:54: Und das ist nicht vergleichbar mit unseren aktuellen Bedingungen.

00:36:58: Deswegen finde ich das schon, das klingt jetzt halt so beiläufig, so ja, dann machen die das mit kostenloser Kaffee.

00:37:04: Das ist ja jetzt nicht viel.

00:37:06: Aber die ganzen Bedingungen in Summe, das wirkt schon außergewöhnlich für die Zeit.

00:37:11: Ja, und jetzt merkst du vielleicht auch schon ein bisschen, warum sie so beliebt sind, weil sie sich sehr auch für ihre Arbeiter eingesetzt haben.

00:37:20: Und zu diesem Zeitpunkt hat Isidore auch schon politisch in den USA mitgewirkt.

00:37:24: Von achtundhundertvierneunzig bis achtundhundertfünfeunneunzig saß er als Abgeordneter für den fünftzehnten Wahlbezirk von New York City im US-Repräsentantenhaus.

00:37:34: Er ist eng befreundet, mit Präsident Grover Cleveland und steht auch mit anderen späteren Präsidenten in Kontakt.

00:37:41: Isidore Strauß verfügt also nicht nur über Wirtschaftliche, sondern auch über politische Macht.

00:37:46: Das superreiche Einfluss auf die Politik nehmen ist ein Phänomen, das wir ja leider heute auch viel beobachten, also Stichwort Elon Musk.

00:37:54: Das ist ja eigentlich sehr gefährlich, dadurch den Einfluss der Superreichen die Interessen der armen Bevölkerung und der marginalisierten Gruppen nicht mehr vertreten werden.

00:38:04: Wenn Reichtum politische Macht erkauft, wird Demokratie schnell zur Bühne für die Interessen der Wohlhabenden.

00:38:11: Isidon gegen entscheidet sich für einen anderen Weg.

00:38:15: Er zieht sich aus der Politik zurück und widmet sich vor allem philatropischer Arbeit.

00:38:21: Denn er und Ida sehen es als ihre Pflicht, mit ihrem Wohlstand Verantwortung zu übernehmen.

00:38:28: Besonders auch gegenüber neuen jüdischen Einwanderern.

00:38:31: Sie setzen sich persönlich für Bedürftige ein.

00:38:35: So besuchen sie etwa einen sterbenen jüdischen Mann, der sich nichts sehnlicher wünscht, als seine Familie ein letztes Mal zu sehen.

00:38:42: Ida und Isidor sorgen dafür, dass seine Angehörigen in die USA einwandern können.

00:38:48: Doch der Mann verstirbt, bevor seine Familie ankommt.

00:38:51: Danach übernehmen die Strauß jetzt die finanzielle Unterstützung der Familie, bis sie auf eigenen Beinen stehen können.

00:38:58: Gemeinsam gründen sie außerdem die Educational Alliance, das ist ein Sozialzentrum in der Lower East-Zeit, das bis heute existiert.

00:39:06: Dort helfen sie osteuropäischen Juden englisch zu lernen und Arbeit zu finden.

00:39:12: Ida schreibt außerdem unter einem Zeudonim Gedichte, die auf die Missstände hinweisen.

00:39:17: Erst viele Jahre später werden diese Gedichte veröffentlicht von der New York Times unter ihrem wahren Namen.

00:39:23: Also, sie hat die erstmal alle geschrieben, ohne ihren eigenen Namen zu nutzen.

00:39:27: Ja, das finde ich immer beeindruckend, wenn man diesen Schritt geht, weil ich erstmal denken würde, dass es darauf zurückzuführen ist, dass sie sich nicht in den Mittelpunkt stellen will und damit profilieren möchte.

00:39:40: Ja, das ist wirklich beeindruckend.

00:39:41: Also man merkt bei diesem Paar, dass es schon wichtig ist, für die beiden auch jetzt sich nicht nur in ihrer reichen wohlhabenden Welt zu befinden, sondern sich wirklich mit dem Problem auch der Menschen, die nicht so privilegiert sind wie sie, auseinanderzusetzen.

00:39:58: Die Puderstrauß weiten in den nächsten Jahren ihr Handelsimperium weit über New York City aus.

00:40:05: Bald besitzen sie mehrere Warenhäuser in Deutschland, unter anderem Macy's & Co.

00:40:10: in der Berliner Wilhelmstraße, sowie das Unternehmen Abraham & Strauss.

00:40:16: In Thüringen gründen sie außerdem eine Porzellanmanufaktur.

00:40:20: Das dort produzierte hochwertige Porzellan wird direkt in die USA exportiert.

00:40:26: Trotz ihrer beruflichen Erfolge priorisieren Isidor und Ida auch ihre Beziehung und verlieren sich nicht nur in der Arbeit.

00:40:34: Ihre Beziehung ist sehr innig.

00:40:36: Und das ist tatsächlich vor allem in ihrer gesellschaftlichen Klasse alles andere als selbstverständlich.

00:40:44: Ehen werden oft zweckgebunden geschlossen und darüber hinaus herrscht bei der wohlhabenden Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts eine strenge Etikette, die kaum Raum für Zärtlichkeit lässt.

00:40:55: Statt Zuneigung soll Zurückhaltung nach außen präsentiert werden.

00:41:00: Auch die Sprache soll selbst beherrscht und respektvoll wirken.

00:41:04: Selbst wenn man über sein Ehepartner oder seine Ehepartnerin spricht, verwendet man die Anrede Mr.

00:41:11: oder Mrs.

00:41:12: Das öffentliche Zeigen von körperlicher Nähe gilt als Skandalös.

00:41:16: Also,

00:41:17: Wehe, du zeigst, dass du dein Ehemann magst.

00:41:19: Wie kannst du nur?

00:41:21: Aber Isidore und Eda halten sich nicht an diese Etikette.

00:41:25: Ihr Urenkel, Paul Kurzmann, schildert ihre Beziehung so.

00:41:30: Sie wurden oft beobachtet, wie sie Händchen hielten, sich küsten oder umarmten.

00:41:34: Einmal wurden sie sogar beim Necken erwischt.

00:41:37: Und dieses Verhalten hörte auch im Alter nicht auf.

00:41:41: Ihre Liebe war etwas ganz Besonderes.

00:41:44: Und wir nachkommen, bewahren diese Erinnerung mit großer Dankbarkeit.

00:41:48: Also es klingt super, super schön.

00:41:49: Ich find's aber auch immer so krass, wenn man über Beziehungen und Ähen redet, die im vorherigen Jahrhundert stattfanden.

00:41:59: Dann finde ich, es ist immer so eine Sensation, wenn die Leute sich wirklich geliebt haben.

00:42:03: Ja, ja.

00:42:04: Es wird immer so ganz viel betont.

00:42:05: Die waren wirklich aber auch verliebt.

00:42:07: Das war keine zwungende Hochzeit, sondern die haben sogar auch mal Händchen gehalten.

00:42:12: Die mochten

00:42:13: sich.

00:42:13: Ja, aber es ist schon süß, weil ich glaube, die beiden waren wirklich richtig doll ineinander verliebt.

00:42:18: Und halt auch noch später, also auch noch, als die sechzig Jahre alt sind, lieben die sich über alles.

00:42:23: Ja, das ist halt, und das, finde ich, ist schon eine Leistung, wenn man das so schön und lange aufrecht erhält, dass man noch so miteinander umgeht.

00:42:30: Das ist auch für die heutige Zeit schön, nicht nur für die damalige.

00:42:33: Komplett.

00:42:34: Und wenn die beiden sich nicht sehen, schreiben sie sich auch täglich Briefe.

00:42:38: Am twenty-zwanzigsten Juli, achtzehnhundertneinzig, schreibt Ida, hier ist ein dicker Kuss für meinen lieben Papa.

00:42:44: Nathan will heute mit uns allen Picknicken gehen.

00:42:47: Es ist jetzt zwar schön, aber mit dir hier wird es noch viel schöner sein.

00:42:52: Aber sie hat jetzt nicht ihn Papa genannt, oder?

00:42:54: Doch.

00:42:56: Was hab ich mir schon gedacht, dass du das komisch findest?

00:42:58: Das ist aber nicht so komisch, Leo, zu der Zeit.

00:43:00: Ja,

00:43:01: es passiert ja auch immer wieder bei uns in den Schularfolgen.

00:43:04: Es ist alles mega süß und dann plötzlich so, Daddy.

00:43:07: Ja, also die Anrede, my darling Papa, ist damals ziemlich üblich unter Pan.

00:43:15: Ja, das ist halt ... Ja,

00:43:17: vielleicht war es das frühere Baby.

00:43:19: Heute ist man so ... Nicht ich, aber manche sagen halt Babe oder Baby.

00:43:25: Und das ist wahrscheinlich das Equivalent.

00:43:28: Früher war das eher ein Cousinname, den man sozusagen pappermäßig bezogen hat.

00:43:33: Und jetzt ist das zu Baby umgewandelt worden.

00:43:36: Keine Ahnung, warum.

00:43:37: Ja, das könnte sein.

00:43:40: Spannend eigentlich.

00:43:41: Müsste man sich mal anschauen, wissenschaftlich, warum, ob das irgendwas mit Immensipation zu tun hat, dass jetzt die Frau eher ... sich nicht mehr wie eine Tochter fühlt, sondern wie eine Mutter von den Partnern.

00:43:52: Weird, okay.

00:43:53: Ja, keine Ahnung.

00:43:54: Schreibt uns doch gerne, wenn ihr das wisst.

00:43:56: Es ist aber nicht so komisch, wie wir denken oder wie sich das für uns anhört.

00:44:00: Und kurz bevor die beiden dann wieder vereint sind, schreibt ihr da auch, dass ihr immer die näheres Liebesspiel bald ein Ende haben wird und kein Papier mehr als Vermittler benötigt wird.

00:44:13: Auch Isidor schreibt ihr da etliche Briefe, teilweise mehrere am Tag.

00:44:18: In einem schreibt er, dass der letzte gemeinsame Urlaub einen neuen Mann aus ihm gemacht habe.

00:44:25: Ich finde voll, dass deren Beziehung, auch wenn die schon ein bisschen her ist, wirkt wie eine Partnerschaft auf Augenhöhe.

00:44:32: Also dass die sich wirklich mögen, dass da eine große Zuneigung da ist und auch ein gegenseitiges Vertrauen, was ich total schön finde.

00:44:40: Voll.

00:44:41: Die Familie Strauß lebt ein sehr privilegiertes, sehr glückliches Leben.

00:44:46: bis Ida mit einer Arterienerkrankung zu kämpfen hat.

00:44:50: Sie hat immer wieder große Schmerzen.

00:44:52: Die ganze Familie ist besorgt und ein Arzt dreht dem Paar, zur Ruhe zu kommen.

00:44:57: In dieser Zeit schreibt ihr Sohn Jess ein Brief.

00:45:01: Mama kann nun keine Entschuldigung dafür haben, dass sie sich mehr anstrengt, als ihr gut tut.

00:45:08: Und so ziehen sich Ida und Isidor zunehmend immer weiter aus dem öffentlichen Leben zurück.

00:45:13: gönnen sie sich zwangsweise mehr Zeit für sich, fernab vom gesellschaftlichen Trubel.

00:45:20: Und vor allem wollen sie ihre Zeit nutzen, um zu reisen.

00:45:25: Um den bitterkalten Winter in New York zu entkommen, reisen Ida und Isidore in die milde Sonne der französischen Riviera.

00:45:32: Die klare Seeluft, das sanfte Licht und das Rauschen des Mittelmeers tun Ida sichtlich gut.

00:45:39: Besonders wenn sie die Briefe ihrer Kinder liest, in denen von vereisten Straßen und eisigen Wind in New York die Rede ist.

00:45:47: Dann genießen die beiden umso mehr die Ruhe ihrer Suite mit Blick aufs Meer.

00:45:53: Je weit entfernt vom Trubel feiern sie dann am sechsten Februar, neunzehnt zwölf, auch gemeinsam Geburtstag.

00:46:00: Isidor wird sechzig, Ida wird sechzig.

00:46:04: Glückwünsche und Telegramme von ihren Kindern und Verwandten erreichen sie aus der Heimat.

00:46:10: Und obwohl der Winter in Frankreich ungewöhnlich regnerisch ist, verbringen die beiden dort eine friedliche, heitere Zeit.

00:46:16: Ganz ohne gesundheitliche Probleme.

00:46:19: Einfach miteinander.

00:46:21: Doch während des Ehepaars sich erholt, läuft es in der Heimat nicht rund.

00:46:25: Macy's macht Verluste.

00:46:27: Der Umsatz singt.

00:46:29: Isidor fühlt sich verantwortlich.

00:46:31: Er weiß, dass seine persönliche Präsenz in New York jetzt gebraucht wird.

00:46:34: Die Auszeit ist vorbei.

00:46:40: Scheiße an der Selbstständigkeit.

00:46:42: Er will

00:46:42: Urlaub haben, aber er weiß ganz genau, wenn er nicht da ist als Inhaber, als Geschäftsführer, dann kann das auch zu Verlusten führen.

00:46:50: Das heißt, die beiden haben nie halt mal eine wirkliche Auszeit.

00:46:54: Ich stelle mir jetzt vor, wie Ida und Isidore an diesem Morgen in ihrer Suite am langen Frühstückstisch sitzen.

00:47:00: Wo ihnen steht feines Porzellanen und die Tassen sind voll mit Dampfen im Kaffee.

00:47:05: Vermutlich fällt die Morgensonne auf die weißen Stoff servierten, Und durch ihre großen Fenster können sie das Glitzerne mehr sehen.

00:47:12: Während Isidor die Zeitung aufschlägt, hält sein Blick auf eine kleine Meldung.

00:47:17: Die Olympik, das Schiff, mit dem sie eigentlich nach New York zurückreisen wollten, verspätet sich.

00:47:23: Wahrscheinlich sehen sich die beiden überrascht an.

00:47:26: Ida legt das Messer beiseite, Isidor schüttelt leicht den Kopf.

00:47:30: Er hatte ohnehin schon kein gutes Gefühl bei der Olympik.

00:47:34: Zwei Mal musste er sehen, nur einem Jahr repariert werden.

00:47:38: Das ist zu viel für ein Schiff, das als eines der modernsten der Welt gilt.

00:47:43: Und vielleicht kommt jeder da der Einfall.

00:47:46: Warum fahren sie nicht mit der Titanic?

00:47:48: Das Schiff ist doch eh noch größer, noch luxuriöser und noch moderner als die Olympik.

00:47:55: Für Isidor, der es kaum erwarten kann, in seinen Laden in New York zurückzukehren, klingt das wie die perfekte Lösung.

00:48:02: Und so können sie Teil der ersten Fahrt dieses jetzt schon legendären Schiffes sein.

00:48:07: Isidor kauft vorfreulich die Tickets bei einer Reisagentur.

00:48:11: Oh Gott, das ist für mich wieder so ein Beispiel von, wenn man sich Gedanken macht darüber, ob ich jetzt irgendwie ein anderer Weg gefahren wäre, was dann passieren würde oder wenn, also weißt du, manchmal denkt man ja, was Schicksal so nach.

00:48:25: Was hätte, also zum Beispiel, das ist richtig krass.

00:48:28: letztens, ist auch ein Flugzeug in Kenia abgestürzt, das Menschen auf eine Safari gebracht hat.

00:48:36: Ich war vor Ort und wir haben mega lange überlegt, ob wir auch so eine Safari machen wollen.

00:48:42: Und wir hätten den gleichen Reiseanbieter nehmen müssen.

00:48:45: Es gab nur diese eine Airline.

00:48:47: Und in dem Flugzeug saß auch ein deutsches Paar.

00:48:50: Und im Kopf bin ich durchgegangen.

00:48:52: Was hat mich damals zu der Entscheidung gebracht, es nicht zu tun?

00:48:55: Und das finde ich jetzt hier auch.

00:48:57: so ein Beispiel wieder.

00:48:58: Wenn es nicht so schlecht gelaufen wäre bei Macy's ohne ihn, hätten sie vielleicht nicht die Titanic genommen.

00:49:04: Wenn die Titanic nicht so voller schöner, luxuriöser Ausstattung gewesen wäre, wären sie vielleicht auch nicht damit gefahren.

00:49:11: Also so kleine Entscheidungen, die darauf einspielen, dass ein dieser Schicksal ereilt.

00:49:16: Ja, und so nehmen die beiden die Titanic.

00:49:20: Am Abend des vierzehnten April sitzen Ida und Isidore am prunkvollen Speisesaal der Titanic.

00:49:26: Bei ihnen schimmern die Kronleuchter.

00:49:28: Das Licht der Kerzen spiegelt sich in den Funkel den Gläsern und auf dem Fallen Porzellan.

00:49:33: Zwischen Gesprächen und gedämpfter Musik eines kleinen Ensembles liegt der Duft von frisch gebratenem Fleisch und warmen Brot in der Luft.

00:49:42: Vor ihnen ist der Tisch markelos gedeckt.

00:49:45: Von silbernem Besteck bis über.

00:49:46: mit goldfazierten Tellern ist alles perfekt angeordnet für das opulent Zehngängermenü.

00:49:53: An diesem Abend wählen Ida und Isidore zwischen Austern, Lachs, Fillets, Mignon, Lamb und Ente.

00:49:59: Nach dem Essen spazieren sie armen Armen übers Oberdeck.

00:50:04: Wahrscheinlich genießen sie die frische Nachtluft und die kühle Brise und die über das dunkle Meer streicht.

00:50:10: Vielleicht schweigen sie einfach einen Moment lang und liegen sich in den Armen.

00:50:15: Vielleicht denken sie in diesem Augenblick zurück an ihre Kindheit, an ihre erste Überfahrt über den Atlantik, die unter ganz anderen Bedingungen stattfand.

00:50:24: Auf engen Segelschiffen zwischen Ratten und Kot und ohne Sicherheit.

00:50:28: Und nun stehen sie hier auf dem Deck des luxuriösesten Schiffes aller Zeiten nach einem erfüllten Leben, in Würde gealtert, Seite an Seite.

00:50:36: Vielleicht empfinden sie in dieser Nacht nichts als Dankbarkeit für das, was sie sich aufgebaut haben.

00:50:43: Für ihre Liebe, für die gemeinsame Zeit, für ihre Kinder, für ihre Enkelkinder.

00:50:49: Kurz vor Mitternacht, um dreiundzwanzig Uhr vierzig, stößt die Titanic etwa vierhundert Kilometer südöstlich von Neufundland mit einem Eisberg zusammen.

00:51:02: Was genau zum Untergang der Titanic geführt hat, erzählt uns nun Malte Fiebing-Petersen, der der Vorsitzende des Deutschen Titanic Vereins ist und aktuell die Ausstellung Titanic.

00:51:13: Echte Funde waren Schicksale in der Potsdamer Metropolis Halle als wissenschaftlicher Berater begleitet.

00:51:22: Die Titanic hatte dieses Label praktisch unsinkbar aufgrund der sogenannten wasserdichten Schotten bekommen.

00:51:30: In den letzten Jahren hat das Magazin die Schippbilder, das war ein Fachmagazin für Schiffsneubauten, die Sicherheitssysteme der Titanic ausführlich beschrieben und mit Bildern und technischen Zeichnungen erklärt, unter anderem die Schotttore.

00:51:47: Unterhalb der Wasserlinie war die Titanic in sechzehn Kammern unterteilt.

00:51:52: Diese Kammern hatten jeweils Durchgangstore und diese Tore konnte man eben per Knopfdruck schließen.

00:51:58: Und dieses ganze System nennt man dann Schottsystem.

00:52:02: Es gab sogar einen Schwimmer, der dann bei automatischem Feststellen von Wassereinbruch diese Tore eben geschlossen hätte.

00:52:10: Und das war wirklich eine Innovation.

00:52:13: Der Eisberg beschädigte während der Kollision mit der Titanic die ersten fünf Kammern der Titanic.

00:52:22: Mit vier Kammern, die eben mit Wasser voll gelaufen wären, wäre die Titanic noch oberhalb der Wasserlinie geblieben.

00:52:29: Dadurch, dass nun aber fünf Kammern mit Wasser voll liefen, konnte das Wasser seinen Weg über die Schottwände hinweg, durch Treppenhäuser, durch Lüftungsschächte und durch den Fahrstuhlschacht zum Beispiel, dann im ganzen Schiff eben finden.

00:52:46: Und damit hat sich sozusagen eine Kettenreaktion ausgebildet und die Titanic war damit eben verloren.

00:52:54: Problem war also, dass diese Schottwände zwar vorhanden war, aber eben nur unterhalb der Wasserlinie und nicht von dem untersten bis zum oberen Deck durchgezogen sind, sondern nur ungefähr ein Drittel der Schiffshöhe hochragten.

00:53:11: Ja, diesen Spruch, dass die Titanic quasi unsinkbar ist, den hört man ja auch im Film.

00:53:17: Und ich glaube, der hat auch so viele Menschen beruhigt, als sie auf dieses riesengroße Schiff gestiegen sind.

00:53:22: Aber wie Malte ja hier schon erklärt hat, es hat diese fünfte Kammer getroffen und hätte es die nicht getroffen hätten vielleicht doch noch mehr Leute überlebt.

00:53:33: Und das bedeutet aber ja jetzt auch, dass Ida und Isidore auch davon erstmal gar nichts mitbekommen, oder?

00:53:39: Nee, die schlafen zu diesem Zeitpunkt, als die Titanic auf den Eisklotz trifft, in ihrer luxuriösen Kabine.

00:53:47: Doch dann auf einmal, wie aus dem Nichts, zerreißt ein markerschütterndes Geräusch die Stille der Nacht.

00:53:54: Wahrscheinlich schrecken die beiden in diesem Moment hoch und blicken sich gegenseitig an, tragend aber auch ängstlich.

00:54:01: Ich stelle mir das so vor, dass man sich selbst vielleicht in so einem Moment auch gar nicht sicher ist, ob dieses Geräusch nur im Traum passiert ist oder auch in der Wirklichkeit.

00:54:09: Wahrscheinlich hat Ida auch Isidore direkt gefragt, ob er es auch gehört hat.

00:54:14: Aber als den beiden klar wird, dass dieses Geräusch real ist, knipsen sie die Nachttischnammten neben ihren Betten an und werfen sich schnell Badementel über und stürzen aus ihrer Kabine heraus und laufen auf das Deck.

00:54:27: Auf dem Deck herrscht Chaos.

00:54:29: Menschen in Nachthemden und Badementeln eilen durcheinander, einige barfuß, andere mit Decken über den Schultern.

00:54:37: Niemand weiß genau, was passiert ist.

00:54:39: Nur das dumme Grollen tief aus dem Bauch des Schiffes lässt er ahnen, dass etwas Schreckliches geschehen sein muss.

00:54:46: Der kalte Nordatlantikwind pfeift über das Deck, vermischt sich mit den ersten Hilferufen und den metallischen Knarn des Schiffes.

00:54:55: Kurz nach Mitternacht lässt Kapitän Edward John Smith den ersten Notruf absetzen.

00:55:00: Gleichzeitig ertönt der Befehl.

00:55:03: Alle Passagiere sollen ihre Rettungswesten anlegen.

00:55:07: Matrosen rennen mit Taschenlampen umher, ziehen Planen ab, machen die Boote klar zum Absenken.

00:55:13: Ida und Isidor hätten das Ganze zunächst für ein Fehler lahm.

00:55:17: Vielleicht eine Übung, denken sie, und kehren noch einmal in ihre Kabine zurück.

00:55:21: Ihr Personal hilft ihm beim Ankleiden.

00:55:25: Doch als sie zurück auf den Gang treten, spüren sie sofort, dass sich die Stimmung verändert hat.

00:55:30: Der Boden unter ihren Füßen ist leicht schräg.

00:55:33: Ein eisiger Luftzug sieht durch den Korridor.

00:55:37: Auf dem Deck hören sie die Schreie, und das Klüren der Metallseile.

00:55:41: Die Passagiere schreien und weinen, Kinder klammern sich an ihre Mutter.

00:55:46: Überall drängen sich Menschen zur Rehling und von unten hört man nun deutlich das Tosen des eigendringenden Wassers.

00:55:53: Es rauscht, gluckert, schießt gegen die Schotten, während das Schiff unter ihren Füßen vibriert.

00:55:59: Isidor wird jeder fest an der Hand.

00:56:02: Sie dürfen sich nicht verlieren.

00:56:04: Gemeinsam kämpfen sie sich durch die panische Menge, Schritt für Schritt, bis sie endlich die Reling erreichen.

00:56:11: Und dort begreifen sie, das Schiff sinkt wirklich.

00:56:15: In der Dunkelheit sehen sie, wie Wasser über die Treppen der unteren Decks

00:56:19: läuft.

00:56:20: Oh Gott, ich kann mir das gar nicht vorstellen.

00:56:22: Das ist ja ein so schrecklicher Moment, das auch zu realisieren, dass jetzt die Zeit abläuft.

00:56:29: Ida

00:56:30: und Isidore schauen sich jetzt mit weit aufgerissenen Augen an.

00:56:34: Das Zittern ihrer Lippen ist kaum vom Frösteln zu unterscheiden.

00:56:38: Sie stützen sich gegenseitig und drängen sich weiter in Richtung des nächsten Rettungsboot, der Nummer acht.

00:56:46: Als sie ankommt, versucht ein Matrose verzweifelt, Ordnung in die Menge zu bringen.

00:56:51: Frauen und Kinder zuerst ruft er immer wieder.

00:56:53: Das Knaren des Schiffs kündigt an, dass die Zeit knapp wird.

00:56:58: Dann erblickt ein Offizier Ida und bietet ihr direkt einen Platz im Boot an.

00:57:02: Kommen sie, Frau Strauss.

00:57:04: Und dann sagt er, Herr Strauss, kommen sie auch.

00:57:07: Ich weiß, wer sie sind, sie bekommen einen Platz.

00:57:11: Schwungvoll setzt sich Ida ins Boot.

00:57:14: Doch dann sieht sie, wie Izi dort den Kopf schüttelt und einen Schritt nach hinten weg vom Rettungsboot macht.

00:57:20: Paul Kurzmann, der Urenkel des Paares, schildert im Jahr die Situation in einem Interview mit Today wie folgt.

00:57:29: Meine Urkursmutter Ida betrat das Rettungsboot in der Erwartung, dass ihr Mann ihr folgen würde.

00:57:35: Als er es nicht tat, war sie sehr besorgt.

00:57:37: Der Offizier an Bord sagte, Herr Strauß, Sie sind ein älterer Herr.

00:57:41: Natürlich dürfen Sie mit Ihrer Frau ins Boot.

00:57:44: Doch mein Urusvater antwortete nicht, bevor jede Frau und jedes Kind einen Platz gefunden hat.

00:57:51: Oh mein Gott.

00:57:52: Also, das ist einfach so krass.

00:57:55: Ich finde es so rührend.

00:57:57: Ich finde es auch so krass, dass bei ihm auch erst mal eine Ausnahme gemacht wurde, war schon wieder zeigt, wie Privilegien da eingesetzt wurden.

00:58:05: Und dass er aber dann sagt, nein, ich verzichte jetzt darauf auf dieses Privileg und damit ja auch sein eigenes Leben gefährdet.

00:58:13: Also er ist er bereit zu sinken, als jetzt jemand anderem den Platz wegzunehmen.

00:58:19: Ja,

00:58:19: das zeigt halt das, was dieses Paar schon die ganze Zeit ausgemacht hat, dass sie nie vergessen haben, dass sie nicht jemand Besseres sind aufgrund ihrer Privilegien.

00:58:31: Also was passiert jetzt?

00:58:32: Isidor geht nicht mit aus Boot und Ida schon?

00:58:35: Oder kann er doch noch einen anderen Platz finden?

00:58:39: Ja, tatsächlich.

00:58:40: Als Ida sieht, dass ihr Mann nicht das Boot betritt, verlässt sie auch sofort das Rettungsboot.

00:58:46: Ohne Isidor wird sie nicht gehen.

00:58:49: Sie wird bei ihm bleiben.

00:58:51: Was immer ihm passiert, soll auch ihr passieren.

00:58:54: Sie rennt in seine Arme und sieht ihn eng an sich.

00:58:57: Wir haben vierzig wunderbare gemeinsame Jahre erlebt und sechs schöne Kinder großgezogen, soll sie zu ihm gesagt haben.

00:59:04: Wenn du nicht ins Rettungsboot steigst, dann tue ich es auch nicht.

00:59:08: Oh Gott.

00:59:08: Stattdessen sorgt Ida dafür, dass ihr Dienstmädchen Ellen Börd ihren Platz im Rettungsboot bekommt.

00:59:15: Sie drückt Ellen ihren Pelzmantel in die Hand und sagt, ich werde ihn nicht mehr brauchen.

00:59:20: Bitte nehm ihn, er wird dich wärmen, bis du gerettet wirst.

00:59:23: Oh Gott.

00:59:24: Langsam senken die Männer das Rettungsboot ins Wasser.

00:59:27: Das Holz, echts unter dem Gewicht der Menschen, das Squidschen der Laschen, an denen die Seile der Rettungsboote befestigt sind, mischt sich mit dem Peitschen des Windes, die da friert.

00:59:38: Die Sidor legt den Arm um sie und führt sie in eine windgeschützte Ecke.

00:59:43: Sie finden zwei Deckstühler, setzen sich und beobachten das Chaos um sie herum.

00:59:48: Menschen rufen auch ihren Liebsten, Kinder weinen, mein Rettungsboot kracht gegen die Boardwand.

00:59:54: Doch für Ida und Isidore scheint die Zeit stillzustehen.

00:59:58: Das Dienstmädchen Ellen Börd schildert später, dass die beiden inmitten der Panik ganz ruhig und gefasst gewirkt

01:00:05: haben.

01:00:05: Gehen Sie jetzt nicht mehr aufs Boot?

01:00:07: Also Sie haben sich jetzt entschieden, mit der Titanic unterzugehen?

01:00:12: Ja, also Sie haben halt realisiert, dass es nicht genug Plätze gibt.

01:00:16: Das ist ja, was Ida gesagt hat.

01:00:18: Sie hatten ein Leben.

01:00:19: Sie haben Kinder gekriegt.

01:00:21: Sie hatten so viel Glück.

01:00:23: Und sie wollen diesen Platz anderen Menschen geben.

01:00:28: Und das, obwohl alle Leute Ihnen eigentlich diesen Platz zuweisen.

01:00:33: Erneut kommt jetzt ein anderer Offizier zu Ihnen und bittet Ida einzusteigen.

01:00:38: Aber sie schüttelt den Kopf.

01:00:40: Isidor, sagt sie, ihre Stimme kaum hörbar im Wind.

01:00:44: Mein Platz ist mit dir.

01:00:45: Ich habe mit dir gelebt, ich liebe dich und wenn notwendig, werde ich auch mit dir sterben.

01:00:51: Isidor versucht sie zu überreden, doch sie legt ihre Hand auf seine.

01:00:56: Ich habe vierzig Jahre mit dir verbracht, sagt sie leisen.

01:00:59: Ich liebe dich und würde lieber mit dir sterben, als ohne dich zu leben.

01:01:05: Isidor sieht sie jetzt lange an.

01:01:07: Seine Augen füllen sich mit Tränen, erstreicht ihr über den Arm und sie lächelt.

01:01:13: Beiden laufen Tränen über die Wangen.

01:01:15: Sie stehen eng beieinander, als sie Titanic immer weiter nach vorne kippt.

01:01:20: Augenzeugen erinnern sich später daran, dass die beiden armen in armen an der Rehlinge standen, still und unbewegt, während das Wasser schon über das Deck schwappte und das Schiff schon fast untergegangen war.

01:01:33: Das letzte, was ich sah, berichtet einen Überlebender später, weil die Frau in deren sanften Herzen ein Heldentum wohnte, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte.

01:01:44: Sie stand in den Armen ihres Mannes, während das Wasser um sie herum stieg.

01:01:50: Dann bricht eine gewaltige Welle über das Deck der Titanic.

01:01:54: Innerhalb von Sekunden werden Ida und Isidor von der Gischt erfasst und in die Pechschwarze eisige Seegerissen.

01:02:07: Als die Sonne über den Nordatlantik aufgeht, wird bekannt, dass Ida und Isidor... Oh, das ist so, das hat mich so, ich hab beim ersten Malese schon geholpt wie ein Schlosshund.

01:02:32: In den nächsten Tagen titeln die Zeitung weltweit in großen Lettern.

01:02:48: Mr.

01:02:48: and Mrs.

01:02:49: Strauss got down with arms entwined.

01:02:52: In umschlungenen Armen gehen die beiden unter.

01:02:57: Isidos Leichnam wird wenige Wochen nach dem Unglück von einem kanadischen Suchteam geborgen.

01:03:03: Ida wird nie gefunden.

01:03:05: Deswegen sammelt ihre Familie mehr Wasser aus der Stelle, wo die Titanic unterging, im Nordatlantik.

01:03:11: Sie füllen es in eine Urne.

01:03:13: und legen sie neben Isidors Sarg.

01:03:16: So sind die beiden auch im Tod vereint.

01:03:19: Auf dem Woodlawn Cemetery in New York trägt ihr Grab die Innenschrift.

01:03:23: Viele Wasser können die Liebe nicht löschen.

01:03:26: Noch die Fluten sie ertränken.

01:03:30: In Isidors Hosentasche wurde übrigens noch etwas besonderes gefunden.

01:03:33: Ein goldenes Medaillon.

01:03:36: Darin befinden sich zwei kleine Fotos.

01:03:38: Eines zeigt Jazz, den ältesten Sohn.

01:03:41: Das andere Sarah, die älteste Tochter und später Großmutter von Paul Kurzmann, dem Urenkel des Paares.

01:03:48: Dieser erzählt in einem Interview, dass die Fotos nach dem Fund wegen des Salzwassers etwas nachbearbeitet werden mussten, aber dass sie durch die dichte Versiegelung kaum beschädigt waren.

01:03:59: Außerdem trägt das Medaillon die Anfangsbuchstaben der beiden.

01:04:03: Ein in aufeinander verwebtes S und I, wie Ida und Isidora Strauss.

01:04:12: Gott.

01:04:13: Nee, jetzt musst du echt aufhören.

01:04:15: Ja.

01:04:16: Paul Kurzmann erzählt, dass das Médillon seiner Oma Sarah übergeben wurde.

01:04:20: Und dann später seiner Mutter.

01:04:22: Und nun besitzt er es.

01:04:24: Und es wird auch immer in der Familie bleiben.

01:04:28: Und Leo, deswegen habe ich gesagt, dass du vielleicht nächstes Mal, wenn du in New York bist, dieses Paar ganz viel entdecken wirst.

01:04:36: Weil noch heute erinnern mehrere Denkmäler in New York an Isidore und Ida Strauss.

01:04:42: Amasis Flagship Store in Manhattan hängt eine Gedenktafel, für die die Mitarbeiter nach dem Tod der beiden damals Geld sammelten.

01:04:50: Sie trägt die Worte, ihr Leben war schön, ihr Tod war rumreich.

01:04:56: Dem beiden wurde übrigens auch ein Park in Manhattan gewidmet.

01:04:59: Es ist der Straußpark und da steht auch ein Bohnen, auf dem zu lesen ist, lieblich und angenehm waren sie in ihrem Leben.

01:05:06: Und im Tod wurden sie nicht getrennt.

01:05:09: Ja, also... Gott, oh Gott.

01:05:11: Und ich glaube, eins lässt sich nicht bestreiten.

01:05:14: Diese Liebe ist wohl wirklich tiefer als jeder Ozean bis heute.

01:05:21: Und das war diese Liebesgeschichte.

01:05:25: Nee, also das, damit habe ich jetzt nicht gerechnet.

01:05:28: Also wirklich, ich hatte, glaube ich, jetzt den längsten Klos in meinem Hals, den ich jemals in meinem Hals hatte gefühlt.

01:05:35: Also so.

01:05:38: ergreifend und so traurig und so schön zugleich.

01:05:42: Es ist

01:05:42: ja ...

01:05:43: Also, ich komm gar nicht drauf klar, dass ich davon noch nicht gehört hab.

01:05:46: Ja.

01:05:47: Und dass wir alle über Rose und Jack reden.

01:05:50: Natürlich irgendwie fiktionalisiert.

01:05:53: Aber dieses Paar auf der Titanic, das ist ja unfassbar.

01:05:58: Und dass das auch dann von Leuten berichtet wurde.

01:06:00: Also, Rose hat nicht mal Jack auf ihr riesen Holzstück gelassen.

01:06:03: Und Ida ist für Easy Door mitgestorfen.

01:06:11: Also ganz ergreifend.

01:06:15: Und auch, dass dann das Personal davon berichtet hat, wie denen der Vortritt gelassen wurde und wie die beiden dann in armen Verschlungen untergegangen sind.

01:06:25: Ein ganz tragisches Ende und unfassbar, wirklich unfassbar.

01:06:30: Mich hat dieser Schritt von Isidore, dieser Schritt zurück, dass so ein kleiner Schritt natürlich nur ist, aber so eine riesen Geste, so sehr gerührt.

01:06:38: Weil ich mich wirklich ernsthaft gefragt habe, wer würde das heute noch machen?

01:06:43: Also wer würde nicht an sich selber denken und ganz bewusst in den Tod treten, wenn du einen Ausweg hast, weil du sagst, ich möchte den Vortritt anderen Menschen... Lassen.

01:06:55: Ich möchte hier nicht besonders behandelt werden, nur weil ich einen bestimmten Namen habe.

01:07:00: Ja, und

01:07:00: dann auch noch der Schritt von Ida.

01:07:02: Also, diese selbstlose Geste ist unglaublich.

01:07:04: Ja, total.

01:07:05: Und dann, wie sie dann auch aufsteht und zu ihm geht.

01:07:08: Und natürlich kann man sich auch fragen, wie wäre das Leben denn verlaufen, wenn sie gerettet worden wäre und er nicht.

01:07:14: Also, dann frage ich mich auch, wie glücklich wird man noch mit seinem Leben, wenn man seinen Lebenspartner verloren hat.

01:07:22: Und mit was für eine ja Schuld, obwohl sie daran ja nicht Schuld ist, aber mit was für ein Gefühl man weiterleben muss.

01:07:29: Das ist auch wahrscheinlich kein schönes Leben mehr.

01:07:32: Eine unfassbare Geschichte.

01:07:33: Also ich bin sehr trotzdem ready, jetzt wieder Titanic zu gucken.

01:07:38: Also auch, ich muss mich kurz erholen und meine Tränen müssen trocknen.

01:07:43: Aber dann, es ist immer wieder Zeit für diesen Film, weil du uns jetzt auch in diese Welt entführt hast.

01:07:49: Danke, dass du diese tolle Geschichte gefunden und erzählt hast.

01:07:53: Und ich finde, es ist tatsächlich eine sehr passende Geschichte zu Weihnachten, weil Weihnachten ja eigentlich auch dafür da ist, an Nächstenliebe zu denken und auch an die Leute mal zu denken, denen es vielleicht nicht so gut geht wie einem selbst.

01:08:06: Dafür sind Ida und Isidore Strauß, glaube ich, ein ganz ganz großes Beispiel.

01:08:11: Deswegen finde ich diese Geschichte ganz inspirierend und unglaublich.

01:08:17: Schön, dass ihr zugehört habt, liebe Lavis.

01:08:19: Und alle Fotos gibt es natürlich auch noch mal zufolge auf unseren Social Media Kanälen.

01:08:24: Wir freuen uns immer sehr, wenn ihr uns mitteilt, was wir geschichten euch bei True Life interessieren.

01:08:29: Und wie ihr diese Geschichte fandet und ob ihr euch auch Tränen abwischen musstet.

01:08:34: Kommentiert super gerne bei uns auf den Social Media Kanälen.

01:08:37: Wir freuen uns mal riesig über euer Feedback.

01:08:39: Wir lesen alles durch.

01:08:40: Und wir freuen uns, wenn ihr über nächsten Freitag wieder dabei seid.

01:08:44: Wo ist tatsächlich Lynn?

01:08:45: Ich kann es auch schon mal ankündigen.

01:08:47: Auch ein bisschen weihnachtlich wird.

01:08:49: Wir haben ja schon mal die Geschichte von Cecile und Franz erzählt.

01:08:53: Und es hat vielleicht auch was damit zu tun über die nächste Woche.

01:08:57: Ich

01:08:58: bin gespannt.

01:08:59: Also da geht es direkt in den nächsten Weihnachtsfilmen rein.

01:09:02: Ich freue mich drauf.

01:09:03: Bis dann, liebe Lavis.

01:09:04: Wir haben euch lieb.

01:09:05: Ciao!

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.